Vor der Niedersachsen-Wahl

Kopf an Kopf auf die Zielgerade

von Redaktion

Von Doris Heimann

Hannover – Kein Wähler-Frust durch Große Koalition, kein prädestinierter Sieger mit haushohem Vorsprung: Für die Landtagswahl in Niedersachsen am Sonntag gilt ein anderes Szenario als für die gerade gelaufene Bundestagswahl. Alles deutet auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Ministerpräsidenten Stephan Weil (58) und seinem CDU-Herausforderer Bernd Althusmann (50) hin. Die AfD dagegen kann sich ihres Einzugs in den Landtag nicht ganz sicher sein.

Auch wenn die jüngsten Umfragen zur Bundestagswahl wieder einmal die eingeschränkte Aussagekraft der Zahlen belegten (vor allem in Bayern lagen sie krachend daneben), schauen die Politprofis natürlich auch in Hannover auf die jüngsten Erhebungen. Und die sind sich einig, dass es spannend wird: Die Forschungsgruppe Wahlen taxiert CDU und SPD gleichauf bei 33 Prozent, auch Infratest dimap stellte zum Ende der Vorwoche enen Patt fest – mit jeweils 34 Prozent. Dahinter liegen FDP, Grüne und AfD zwischen sieben und zehn Prozent. Richtig eng wird es für die Linkspartei, die entlang der Fünf-Prozent-Hürde segelt.

Dennoch ist Bewegung drin: Noch im August lagen die Genossen klar hinter der CDU, weshalb sich Ministerpräsident Weil beflügelt fühlt. Wenn es so weiter gehe, werde man die CDU überholen, sagte er kürzlich bei einer Wahlkampfveranstaltung im Harz. Sein Rivale Althusmann dagegen bleibt vorsichtig. Er schätzt die eigenen Chancen auf 50:50 und rechnet mit einem engen Ergebnis. „Niedersachsen ist weder klassisches CDU- noch SPD-Land.“

Das musste bei der letzten Landtagswahl im Januar 2013 der damalige Ministerpräsident David McAllister (CDU) schmerzhaft erfahren. Am Ende gaben 334 Stimmen mehr für die SPD den Ausschlag dafür, dass sein schwarz-gelbes Regierungsbündnis von einer rot-grünen Koalition unter Stephan Weil abgelöst wurde. Rot-Grün zitterte sich zum Sieg – und stützte sich auf eine Ein-Stimmen-Mehrheit im Landtag.

Damit war es dann plötzlich vorbei, als im August die grüne Landtagsabgeordnete Elke Twesten zur CDU überlief. Die Konsequenz ist nun eine vorgezogene Neuwahl. Bei der CDU mag der eine oder andere stillschweigend über diese Volte in der niedersächsischen Politik triumphiert haben. Aber die Causa Twesten hat das Verhältnis der CDU zu SPD und Grünen vergiftet. Und die Umfragen zeigen: Es wird weder für eine Fortsetzung von Rot-Grün noch für Schwarz-Gelb reichen.

Ganz egal, wie es am Sonntag ausgeht. Die Koalitionsverhandlungen dürften schwierig werden – egal ob sie von Althusmann oder von Weil geführt werden. Jamaika? Die Grünen sind in Niedersachsen weniger vom Realo-Flügel dominiert als in Schleswig-Holstein oder Baden-Württemberg. Und die Wut auf die CDU ist bei manchen groß. Aber Althusmann sagt immerhin: „Man soll nie nie sagen.“ Amtsinhaber Stephan Weil wiederum hält eine Große Koalition für „extrem unwahrscheinlich“ und verweist auf das belastete Verhältnis zwischen CDU und SPD. Rechnerisch bleibt ihm die Alternative einer Ampel-Koalition. Aber da muss man halt wieder mit den Grünen ran.

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