Weil: Teetrinker mit kühlem Kopf

von Redaktion

Stephan Weil trinkt gerne grünen Tee. Er habe einmal gelesen, dass grüner Tee zu den bekömmlichsten Lebensmitteln gehöre, sagt Niedersachsens Ministerpräsident. Teetrinken – das passt zu dem 58-jährigen SPD-Politiker, der meist den bodenständigen und gelassenen Norddeutschen gibt. Nicht ganz so bekömmlich erwies sich für Weil am Ende sein Bündnis mit den Grünen. Es zerbrach im August durch den plötzlichen Wechsel einer Grünen-Abgeordneten zur CDU. Vorgezogene Wahlen sind die Folge.

Kurz darauf geriet Weil weiter unter Druck, weil er eine Regierungserklärung zu VW vorab dem Konzern zum Gegenlesen geschickt hatte. Solche Turbulenzen habe er noch nie erlebt, gestand Weil danach. Er habe sich selbst grundsätzliche Fragen gestellt. Aber: „Ich bin mit mir sehr im Reinen.“ Pragmatisch und ruhig macht er weiter – wenn kämpferischer im Ton.

Bis zur Landtagswahl war Weil Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover. Der in Hamburg geborene Sohn schlesischer Flüchtlinge studierte Jura und arbeitete als Anwalt, Richter und Staatsanwalt. SPD-Mitglied ist er seit drei Jahrzehnten. Sein Förderer und Vorbild, Altkanzler Gerhard Schröder, sagte Weil eine bundespolitische Karriere voraus. Seit 1987 ist Weil mit der Professorin Rosemarie Kerkow-Weil verheiratet. Das Paar hat einen erwachsenen Sohn.

Wurde er zu Beginn seiner Amtszeit als Ministerpräsident oft als langweilig, blass und provinziell belächelt, so gewann Weil mit der Zeit an Statur. 63 Prozent der Niedersachsen sind mit Rot-Grün zufrieden. Weil selbst genießt persönliche Zustimmungswerte von 48 Prozent – das ist ordentlich, aber nicht überragend.

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