Istanbul – Mitten im Streit mit Deutschland hat die Türkei nun auch eine massive diplomatische Krise mit den USA: Die US-Regierung stoppte die Vergabe von Visa an allen diplomatischen Vertretungen in der Türkei auf unbestimmte Zeit. Grund war die Inhaftierung eines türkischen Mitarbeiters des US-Generalkonsulats in Istanbul. Die Regierung in Ankara reagierte, indem sie ebenfalls die Vergabe von Visa an US-Staatsbürger aussetzte. Der Geschäftsträger der US-Botschaft wurde ins Außenministerium in Ankara einbestellt, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete.
Die Visasperre erschwert es Geschäftsreisenden und Touristen erheblich, in das jeweils andere Land zu reisen. Im vergangenen Jahr reisten nach offiziellen türkischen Angaben 313 654 Türken in die USA. Umgekehrt kamen 2016 nach Statistiken der Regierung in Ankara 459 453 Amerikaner in die Türkei.
Angesichts des Visastreits brach der Aktienkurs von Turkish Airlines an der Börse in Istanbul zwischenzeitlich um mehr als neun Prozent ein. Die Fluglinie teilte nun mit, Tickets auf Routen zwischen der Türkei und den USA könnten für Staatsbürger der beiden Länder bis Monatsende kostenfrei umgebucht oder erstattet werden. Der Streit belastete auch die türkische Börse und die Währung der Türkei erheblich. Die Börse gab am Montag zeitweise um 4,7 Prozent nach. Anleger warfen im großen Stil die türkische Lira aus ihren Depots – zu groß sei laut Experten die Verunsicherung angesichts der diplomatischen Krise. Der Dollar verteuerte sich in der Folge um mehr als vier Prozent und erreichte ein Sechsmonatshoch von 3,77 Lira. Der Euro erreichte mit 4,24 Lira sogar ein neues Rekordhoch.
Für die türkisch-amerikanischen Beziehungen bedeuten der Streit und die gegenseitige Visasperre eine schwere Belastung der ohnehin schon länger angespannten Beziehungen. Die USA fordern die Freilassung inhaftierter Staatsbürger in der Türkei.