Berlin/Düsseldorf – Die AfD verliert immer mehr Mandatsträger, die mit dem Kurs der Parteiführung unzufrieden sind. Mit einem verbitterten Brief an Parteimitglieder verabschiedete sich am Dienstag der nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete Frank Neppe aus Fraktion und Partei. Sein Abgeordnetenmandat werde er allerdings nicht aufgeben, sagte Neppe. In dem Brief beklagt Neppe, dass einige Funktionäre der Partei die AfD mit ihren Äußerungen „immer weiter in die rechte Ecke bugsieren“.
Der Aderlass prominenter AfD-Vertreter hatte Ende September begonnen, als die bisherige Parteichefin Frauke Petry und ihr Ehemann, der damals amtierende NRW-Landtagsfraktionschef Marcus Pretzell, der AfD den Rücken kehrten. Aus den Landtagsfraktionen in NRW, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen gab es seit der Bundestagswahl insgesamt elf Austritte. Aus der Bundestagsfraktion verabschiedete sich der Abgeordnete Mario Mieruch.
Zur Gründung einer eigenen Fraktion wird es für Petry wohl nicht reichen. Die Bildung einer parlamentarischen Gruppe von ehemaligen AfD-Abgeordneten wäre aber theoretisch möglich, falls noch mindestens ein Abgeordneter aus der AfD-Fraktion abspringen sollte. Eine Gruppe hat zwar deutlich weniger Rechte und Ressourcen als eine Fraktion. Ihr Status bietet jedoch im Vergleich zur Situation von einzelnen fraktionslosen Abgeordneten Vorteile.