Türkei boykottiert Botschafter

von Redaktion

Diplomatischer Konflikt mit den USA nach gegenseitiger Visa-Blockade

Istanbul/Belgrad – Der Streit über die gegenseitige Visa-Blockade zwischen den USA und der Türkei eskaliert: Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan griff den scheidenden US-Botschafter in Ankara, John Bass, ungewöhnlich scharf an. „Wir erkennen ihn nicht als den Vertreter der Vereinigten Staaten von Amerika in der Türkei an“, sagte Erdogan am Dienstag bei einem Besuch in Belgrad. Der Staatschef kritisierte zugleich, „Agenten“ hätten das US-Generalkonsulat in Istanbul unterwandert.

Weder er noch seine Minister oder der Parlamentspräsident würden Bass zum Abschiedsbesuch empfangen, sagte Erdogan. Bass wird neuer US-Botschafter in Afghanistan. Unklar ist, wann er seinen Posten in der Türkei verlässt. Zur gegenseitigen Visablockade sagte Erdogan: „Nicht wir haben mit diesem Problem angefangen. Der Verursacher dieses Problems sind die Vereinigten Staaten von Amerika selbst.“

Nach der Inhaftierung eines türkischen Mitarbeiters des US-Generalkonsulats in Istanbul vergangene Woche hatten die USA die Vergabe von Visa in ihren Vertretungen in der Türkei auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Die türkische Regierung reagierte, indem sie ihrerseits die Visavergabe an US-Staatsbürger stoppte. Dass es sich um eine Vergeltungsmaßnahme handelte, war auch daran erkennbar, dass die Mitteilung der türkischen Seite eine fast wortgleiche Kopie der US-Mitteilung war.

Botschafter Bass teilte mit, ihm seien keine Beweise gegen den Mitarbeiter bekannt. Die Inhaftierung habe die Frage aufgeworfen, ob es das Ziel mancher Staatsvertreter sei, die Zusammenarbeit zwischen Ankara und Washington zu stören. Zum Stopp der Visavergabe sagte er: „Derzeit können wir nicht voraussagen, wie lange es dauern wird, diese Angelegenheit zu lösen.“

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