Als Kind wollte Carles Puigdemont Astronaut werden und zum Mond fliegen. Seinen Berufswunsch hat er sich nicht erfüllen können. Dafür ist der Chef der Regierung der spanischen Region Katalonien kometenhaft vom politischen Nobody zum Schrecken eines ganzen Landes aufgestiegen. Der 54 Jahre alte überzeugte Separatist will Katalonien unabhängig machen.
Nach seiner Wahl zum katalanischen Regierungschef hatte der bis dahin sogar in Katalonien nahezu unbekannte Ex-Journalist im Januar 2016 im Parlament von Barcelona vollmundig verkündet: „Es sind keine Zeiten für Feiglinge!“ Man werde den Weg zur Unabhängigkeit unbeirrt aufnehmen, versprach damals der liberale Führer der separatistischen Allianz Junts pel Sí (Gemeinsam fürs Ja), der auch mit der Unterstützung der kleinen linksradikalen Partei CUP gewählt wurde.
Der am 29. Dezember 1962 im katalanischen Bergdörfchen Amer geborene Sohn eines Konditormeisters studierte zunächst Philologie und wurde danach Journalist. 1983 überlebte er einen schweren Verkehrsunfall. Die Kopfnarben, die er davontrug, versucht er mit einer in Spanien vielkommentierten Frisur zu verdecken. Er arbeitete für mehrere Regionalzeitungen.
2011 wurde er zum ersten nicht-sozialistischen Bürgermeister der katalanischen Stadt Girona nach der Diktatur von Francisco Franco gewählt. 2015 avancierte er zum Vorsitzenden des einflussreichen „Verbandes der Gemeinden für die Unabhängigkeit Kataloniens“. Seit Januar 2016 zum Chef der katalanischen Regionalregierung.