In den Berliner Parteizentralen zählen sie gerade ihre Sitzmöbel. Reicht’s, um alle Jamaika-Unterhändler unterzubringen? Zur Großgruppentherapie treffen sich ab nächster Woche 50 Vertreter, um sich für das Vier-Parteien-Bündnis abzutasten. Das ist weder effektiv noch sparsam, sondern der inneren Machttektonik geschuldet. Die Größe der Delegationen – allein die CDU rückt mit 18 Leuten an – soll Ebenen, Interessen, Flügel und Eitelkeiten ausbalancieren, zumindest vielen Repräsentanten das Gefühl geben, mitreden zu dürfen. Über einzelne Personalien, auch bei der CSU, darf man staunen. Mehr auf Breite zu setzen, ist strategisch aber richtig. Am Ende müssen Trittin und Özdemir auf Grünen-Seite nicken können, Stamm und Herrmann bei der CSU.
Nach ähnlichem Plan läuft das kommunikative Rollenspiel innerhalb der Parteien. Die Grünen respektieren und veralbern den Unionskompromiss zum Asyl gleichzeitig. Bei der CSU ruft Seehofer Jamaika als verdammte Pflicht aus, während es Dobrindt für politisch kaum machbar erklärt – gezielte Taktik-Spielchen. Am Ende wird es übrigens auf ganz wenige Unterhändler ankommen: Die Schlussrunde der vier Parteivorsitzenden entscheidet über Erfolg oder Scheitern, ergänzt vielleicht durch einzelne Brückenbauer wie den schwarzgrünen Altmaier oder den grünschwarzen Kretschmann.
Christian Deutschländer
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