Duin plant überraschend Rückzug vom FDP-Vorsitz

von Redaktion

Generalsekretär Daniel Föst soll übernehmen – Scheidender Chef will aber nach Spitzenkandidatur für Landtagswahl 2018 greifen

München – „Der Duin“, sagt der Duin, „ist doch immer für ’ne Überraschung gut.“ Die ist ihm mal wieder gelungen: Am Donnerstag hat Bayerns FDP-Chef Albert Duin seine Partei mit der Ankündigung seines Rücktritts kalt erwischt. Auf dem Parteitag am 11. November will der 64-jährige Unternehmer aus München nicht mehr antreten. Er schlägt seinen Generalsekretär Daniel Föst (41) als Nachfolger vor.

In der Politik nennt man so was eine Flucht nach vorn. In der FDP war Duin vernehmbar unter Beschuss geraten. Parteifreunde ärgerten sich über seine Kommunikation, über flapsige Aussagen zur Russland-Politik oder zu den Jamaika-Gesprächen. Hinter den Kulissen wurde ein Gegenkandidat gesucht, auch wollten einzelne Liberale ihm die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl 2018 nehmen.

Parteitage sind in der FDP unberechenbar. Dafür ist Duin das beste Beispiel, der Ende 2013 in einer Spontan-Kandidatur nach einer Hauruck-Rede gegen die Altvorderen in der FDP den Vorsitz errang (und ihn 2015 wieder in einer Kampfkandidatur verteidigte). Er hätte werben können mit seinem unermüdlichen, ehrenamtlichen Einsatz für die FDP, mit der Ochsentour durch Hinterzimmer vor (damals noch) griesgrämigen 15 Liberalen. Oder mit dem Erfolg bei der Bundestagswahl. Diesmal versucht er es aber mit einem Deal.

„Ich hab’s gern gemacht, aber ich sehe, dass sich die Partei weiterentwickeln muss“, sagt Duin unserer Zeitung. Er schlägt den Münchner Neu-Bundestagsabgeordneten Föst (41) als Nachfolger vor, der bisher loyal als Generalsekretär hinter ihm stand. Föst sagt, er sehe sich als „logische Nachfolge. Ich habe die letzten vier Jahre die FDP wieder mit aufgebaut.“ Er wolle die Partei nun so stabilisieren, dass sie auch bei Landtagswahlen „die Fünf-Prozent-Hürde nie wieder von unten sehen muss“.

Aktuell ist kein Gegenkandidat in Sicht. Der als Duin-Rivale gehandelte Unterfranke Karsten Klein sagt zu, Föst zu unterstützen und lobt dessen Arbeit. „Das ist die richtige Entscheidung“, sagt Klein. Er will als Vize kandidieren.

Ein potenzieller Streitpunkt ist noch offen: Duin will weiterhin Spitzenkandidat für die Landtagswahl werden. Interesse wird aber unter anderem auch Ex-Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch nachgesagt, wie Duin ein Münchner, also aus dem FDP-Bezirk Oberbayern. Eine Entscheidung fällt wohl erst im Februar oder März. Im Kern geht’s um die Leitfrage: Besser mit dem lockeren und unkonventionellen Anpacker Duin antreten, oder mit einem seriösen, regierungserfahrenen Ex-Minister?

Heubisch stellt sich zwar hinter Föst („der richtige Mann zur richtigen Zeit“). In Sachen Spitzenkandidatur verweist er aber auf eine „klare Beschlusslage des Landesvorstands: Unsere Mitglieder sollen entscheiden, wer die FDP 2018 zurück in den Landtag führt.“ Urwahl also.

Duin nimmt mögliche Herausforderer gelassen. „Das wird die Partei in ihrer großen Weisheit entscheiden.“ Er gebe den Landesvorsitz jedenfalls ohne Rückversicherung auf. „Ich mache das ohne Fallschirm.“

Christian Deutschländer

Artikel 2 von 11