Madrid/Barcelona – Die Feiern zum Nationalfeiertag in Spanien sind von einer der schwersten Krisen des Landes und dem Absturz eines Kampfjets überschattet worden. Während am Donnerstag auf Madrids Prachtboulevard eine Militärparade unter Teilnahme von König Felipe VI. und Königin Letizia stattfand, waren viele Spanier mit den Gedanken in der Region Katalonien, deren Regierung die Abspaltung von dem EU-Land anstrebt. In der Nähe der Stadt Albacete starb der Pilot eines Eurofighters beim Absturz seiner Maschine, kurz nachdem er in Madrid an einer Flugschau vor tausenden Menschen teilgenommen hatte.
Die Zeitung „El Mundo“ nannte die Katalonien-Krise die „größte Herausforderung der vergangenen vier Jahrzehnte“ für Spanien. Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte Kataloniens Regierungschef Carles Puigdemont am Mittwoch ein Ultimatum gestellt – Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung oder Anwendung von Artikel 155 der Verfassung. Dieser ermöglicht die Entmachtung einer Regionalregierung, wenn sie die Verfassung missachtet.
In Barcelona gab es am Donnerstag eine kleine Kundgebung der prospanischen Sociedad Civil Catalana (SCC) unter dem Motto „Ja zu Katalonien und auch zu Spanien“. Teilnehmer riefen „Es lebe Spanien!“ und „Puigdemont ins Gefängnis“. Wie Medien berichteten, kam es dabei an der Plaça de Catalunya – einem zentralen Platz in Barcelona – zu Zusammenstößen zwischen Angehörigen von rechtsnationalistischen Organisationen, die für die Einheit Spaniens demonstriert hatten, und anderen Gruppen.
Madrid verwandelte sich derweil in ein Meer aus spanischen Flaggen. In unzähligen Fenstern in der Hauptstadt hatten Bürger die Nationalflagge aufgehängt. Die meisten Spanier pochen energisch auf der Einheit des Landes – und jubelten am Donnerstag dem bei vielen Katalanen unbeliebten König zu.