Beeindruckend ist, dass nicht die stärksten Glieder der CSU sich als die lautesten Kritiker aufspielen, sagt Klaus Stöttner (54). Er ist seit 14 Jahren Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des CSU-Kreisverbands Rosenheim Land, des größten in Oberbayern.
-Herr Stöttner, ist Horst Seehofer noch der richtige Mann an der CSU-Spitze?
Die Personaldebatte und was die Münchner CSU dazu beiträgt, ist unterirdisch. Die schwächsten Glieder mit den schlechten Wahlergebnissen stellen sich jetzt ins Rampenlicht und regen sich auf, anstatt vor Ort mal ordentlich ihre Arbeit zu machen. Gerade läuft ein billiges Spiel von Ichlingen, die keinen Anstand haben. Ohne die jahrelange Arbeit von Horst Seehofer wären einige schon längst abgewählt.
-Was schlagen Sie vor?
Ordentliche Sacharbeit und vor allem Loyalität. Das wollen die Leute an der Basis sehen. Horst Seehofer ist ein kluger Mann, er weiß selbst, wann der Zeitpunkt gekommen ist, die Weichen für die Nachfolge zu stellen. Dass er nach den Respektlosigkeiten auch aus dem Umfeld des Kabinetts – etwa von Herrn Eisenreich – keine Konsequenzen gezogen hat, wundert mich. In einem Unternehmen wären die rausgeflogen.
-Es scheint, als verliert Seehofer den Machtkampf.
Dass eine Führungskraft nie jedem gerecht wird, ist klar. Die Diskussion jetzt schadet aber der gesamten Partei. Horst Seehofer hat immer das Wohl des Landes über Personalien gestellt. Wer einen Hof hat, entscheidet grundsätzlich mal selbst, wann er ihn abgibt. Das müssen wir ihm zugestehen.
Interview: Sebastian Dorn