Wien – Der Ausgang der Nationalratswahl in Österreich am Sonntag wird international mit Spannung erwartet. Favorit auf den Wahlsieg ist Sebastian Kurz, dessen ÖVP mit stabilen 33 Prozent die Umfragen anführt. Kurz ist derzeit Außenminister. Er hatte die ÖVP übernommen, nachdem eine rot-schwarze Koalition unter dem immer noch amtierenden SPÖ-Kanzler Christian Kern im Frühjahr zerbrochen war. Von den internationalen Medien gehypt, erwarten sich viele Österreicher von Kurz eine neue Form der Politik, die auch die EU-Länder anstecken soll. Politologe Marcelo Jenny von der Universität Innsbruck sieht Kurz als „österreichische Variante eines Karl-Theodor zu Guttenberg“, der in seinen Augen „eindeutig die Wahl gewinnen wird“. Die Österreicher „seien der etablierten Parteien überdrüssig“. Kurz habe sich geschickt aus innenpolitischen Streitfragen herausgehalten, „den Fokus auf politische Inhalte gelegt, eine realistische Vision formuliert und so politische Autorität gezeigt“, sagt Jenny.
Der Wahlkampf lief besonders zwischen ÖVP und SPÖ sehr hart ab. Für einen Skandal sorgte die SPÖ, aus deren Lager fingierte Facebook-Gruppen platziert wurden, die Kurz in ein schlechtes Licht rückten. Doch auch die ÖVP stand im Zuge der folgenden Enthüllungen im Verdacht, im Wahlkampf wenig Skrupel zu zeigen.
Als möglicher Koalitionspartner käme für die ÖVP die rechtspopulistische FPÖ infrage, die in den neuesten Umfragen (25 bis 27 Prozent) fast immer zwei bis vier Punkte vor den Sozialdemokraten (23 bis 27 Prozent) liegt. Theoretisch ist aber alles denkbar – sogar eine Neuauflage der ungeliebten Großen Koalition.
Auslandsösterreicher in Bayern blicken gespannt auf die Wahl. Gerhard Struger, Direktor des Hotels Sofitel Bayerpost in München, spricht sich für einen „politischen Neuanfang in Österreich“ aus. Das Land solle „durch den neuen Bundeskanzler erneuert werden.“ Ex-EADS-Manager und Berater Horst Schmidt-Bischoffshausen erwartet in der neuen Regierung „vor allem klarere Verhältnisse“ und dass „Österreich vorankomme und mit frischem Schwung regiert“ werde. Judith Grohmann