Al-Rakka – Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) steht vor dem Verlust ihrer Hochburg Al-Rakka in Nordsyrien. Ein kurdisch geführtes Bündnis hat eigenen Angaben zufolge die letzte Offensive gestartet, um die Stadt von verbliebenen Dschihadisten zu befreien. Es seien bereits 90 Prozent erobert, noch seien aber etwa 150 Extremisten im Ort, hieß es am Sonntag.
Dem Bündnis zufolge hatten sich in den vergangenen Tagen 275 syrische IS-Kämpfer ergeben, nachdem eine Einigung für einen friedlichen Abzug erzielt worden war. Mehr als 3000 Zivilisten hätten als Teil einer Vereinbarung die Stadt in der Nacht zum Sonntag verlassen können, sagte ein Sprecher der kurdisch-arabischen Allianz. Mit Ausnahme der Familien der Kämpfer des IS gebe es in Al-Rakka „keine Zivilisten“ mehr. Die übrigen Kämpfer in dem wenige hundert Meter langen Gebiet im Stadtzentrum sollen vor allem ausländische IS-Anhänger sein.
Dass sich IS-Kämpfer ergeben, ist in den Augen der Dschihadisten unehrenhaft und deshalb selten. Die Kämpfer an der Front sind aber völlig von der Führungsebene der Terrororganisation abgeschnitten. Die Verhandlungen über den Abzug stocken laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte aber, weil der Drahtzieher des Anschlags auf das Bataclan-Konzertcenter in Paris vom November 2015 unter den Verbliebenen sein soll. Er weigere sich, aufzugeben. Bei dem Anschlag damals starben 130 Menschen.
Al-Rakka war von den Dschihadisten 2014 erobert worden und galt neben Mossul im Nordirak als wichtigste Stadt in den Händen des IS. Die Rückeroberungsoffensive begann im November vergangenen Jahres. Zunächst wurde die Stadt eingekreist, der Sturm auf Al-Rakka startete Anfang Juni. Im Osten Syriens nahmen Regierungstruppen unterdessen die Stadt Al-Majadin ein.