Herrmann für Berlin oder München?

Wechsel erwünscht

von Redaktion

Fernweh nach Berlin plagte Joachim Herrmann selten. Wenn er sich nun doch für ein Ministeramt in der Bundesregierung bereithält, ist das eher ein Akt der Disziplin sowie der Loyalität gegenüber Horst Seehofer. Für den angeschlagenen Parteichef käme es gerade recht, das Bundesinnenministerium zu besetzen. Herrmann wäre die fleischgewordene Garantie, dass etwaige Lücken und Unschärfen im Unions-Asylkompromiss nicht zum Ausleiern der gemeinsamen Linie führen. Ohne diese Personalie ist Seehofers Verhandlung sehr viel weniger wert.

Das Innenministerium mit einem CSU-Politiker zu besetzen, ist auch die klare Erwartungshaltung der Partei, die einem Jamaika-Bündnis eher besorgt als begeistert gegenüber steht. Zumal der amtierende CDU-Minister de Maizière mit seinen tapsigen Äußerungen zu islamischen Feiertagen erneut die Zweifel an seiner politischen Berechenbarkeit mehrt. Für die CSU können Milliarden-Ministerien wie das Verkehrsressort oder Klientel-Häuser wie Agrar als attraktiver Plan B erscheinen. Mag sein. Doch will die CSU – besser: die Union – den Wählern zeigen, dass sie deren Botschaft verstanden hat, ist ein starker, neuer Innenminister unverzichtbar.

Christian Deutschländer

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