Barcelona – Mit der Verhaftung von zwei Anführern der Unabhängigkeitsbewegung hat sich der Katalonien-Konflikt weiter zugespitzt. Die spanische Justiz ordnete am Montagabend Untersuchungshaft gegen die Anführer zweier einflussreicher Gruppierungen an und ließ den katalanischen Polizeichef nur unter Auflagen auf freien Fuß. Kataloniens Regionalpräsident Carles Puigdemont sprach von „politischen Gefangenen“, sein Sprecher von einer „Provokation“. Noch in der Nacht gab es in ganz Katalonien Proteste.
Jordi Sánchez und Jordi Cuixart sitzen seit der Entscheidung des Nationalen Strafgerichts in Madrid in Haft. Die spanische Staatsanwaltschaft wirft den Chefs der Organisationen Katalanische Nationalversammlung (ANC) und Omnium Cultural „aufrührerisches Verhalten“ vor. Sánchez leitet die ANC, Cuixart ist Chef von Omnium. Die beiden Gruppen sind die einflussreichsten Zusammenschlüsse von Befürwortern der Unabhängigkeit Kataloniens, sie haben zehntausende Mitglieder. Polizeichef Josep Lluís Trapero war zuvor unter Auflagen auf freien Fuß gekommen. Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Antrag auf Untersuchungshaft für Trapero ebenfalls auf „aufrührerisches Verhalten“ verwiesen. Darauf stehen bis zu 15 Jahre Gefängnis.
„Wir haben leider wieder politische Gefangene“, sagte Kataloniens Regierungschef Puigdemont. Die Nachricht über die Untersuchungshaft löste in der Nacht zum Dienstag Proteste in ganz Katalonien aus. In Barcelona machten viele Menschen mit Kochtöpfen Lärm auf den Straßen. Am Dienstagmittag nahmen einige Menschen aus Protest an einer kurzen Arbeitsniederlegung teil. afp