Machtkampf gegen Sahra Wagenknecht

Linke ohne Heimat

von Redaktion

Die Welt blickt staunend auf die wankende Kanzlerin, Bayern starrt auf den taumelnden Seehofer. Aber wer schaut eigentlich auf die Linke? Auch dort hat die Migrationskrise einen erbitterten Richtungskampf entfesselt. Die Parteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger gegen die Partei-Ikonen Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch, leidenschaftliche Befürworter eines „Bleiberechts für alle“ gegen Warner vor zu viel Zuwanderung – das ist die Schlachtordnung.

Die Vehemenz der Auseinandersetzung um die Macht in der Bundestagsfraktion spiegelt die Zerrissenheit der Partei. Sie wurzelt in der Angst, die angestammte Heimat zu verlieren: Die CSU kämpft noch um ihre Vorherrschaft in Bayern – die Linke hat die ihre in Ostdeutschland bereits verloren, an die AfD, die dort die neue Kleine-Leute-Partei geworden ist. Sahra Wagenknecht treibt das um, sie greift, zum großen Zorn der Parteiführung, die Angst der Geringverdiener auf, gegenüber den Zuwanderern ins Hintertreffen zu geraten. Damit aber tappt ausgerechnet die Salon-Kommunistin in dieselbe Falle, die man für Kritiker der ultraliberalen Migrationspolitik auch in anderen Parteien aufgestellt hat, etwa für Boris Palmer bei den Grünen: Man stigmatisiert sie als „rechts“.

Die Mitglieder der Linkspartei stürzt das in ein Dilemma: Sie können mit ihrem populären Aushängeschild Wagenknecht der AfD den Kampf ansagen. Oder sich mit dem Duo Kipping/Riexinger einen Wettkampf mit den Grünen um die edelste Gesinnung liefern. Mit der spröden roten Katja statt der feschen roten Sahra als Talkshow-Königin? Oje.

Georg Anastasiadis

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