Tillich tritt zurück

Alternativlos

von Redaktion

Wer das Epizentrum des politischen Bebens vom 24. September sucht: Es lag in Sachsen. Landesweit überholte die AfD die CDU, errang drei Direktmandate. Das war bitter in einer Region mit weit unterdurchschnittlichem Migrantenanteil, in einem Land, dessen Bewohner nicht wie die Bayern mit Anpacken und Zusammenhalten die reale Hauptlast der Flüchtlingspolitik getragen hatten. Eine CDU, die solch verheerende Ergebnisse einfährt, muss Konsequenzen ziehen. Der Rücktritt des Partei- und Regierungschefs Tillich ist alternativlos. Ein Weiter-so hätte im Sommer 2019 absehbar zum ersten AfD-Ministerpräsidenten Deutschlands geführt.

Sachsen erwartet nun ein Experiment, das die Republik bis eben nur in der Theorie diskutierte: Kann ein junger, kantiger, klarer rechts positionierter Regierungschef – in diesem Fall Tillichs Kandidat Kretschmer –, die Partei stabilisieren, Protestwähler zurückholen? Oder bräuchte es eine integrative, erfahrenere Persönlichkeit der Mitte? Tief im Wahlschock steckend, wählt die CDU die mutigere Variante. Vor Glorifizierung sei aber gewarnt: Auch Kretschmer verlor sein Direktmandat an die AfD.

Tillich stürzt – wen reißt er mit? Zumindest wächst der Druck auf Merkel und Seehofer, Schlüsse zu ziehen. Nicht hinzuwerfen, aber zu erkennen, wann es Zeit wird, Fehler einzugestehen und Nachfolgen zu regeln. Tillich ging kaum freiwillig, die CDU ließ ihn fallen – Parteien sind brutal, wenn Wahltermine nahen. Doch dem Sachsen blieb noch die Chance, Wunscherben und Zeitachse selbst zu bestimmen. Das ist nicht selbstverständlich.

Christian Deutschländer

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