Etwa elf Monate sind es noch, bis in Bayern ein neuer Landtag gewählt wird – und vorher scheint sich die Parteienlandschaft noch einmal komplett neu aufzustellen: Die SPD hat ihren Parteivorsitzenden Florian Pronold durch Natascha Kohnen ersetzt (bislang ohne größeren Effekt), in der FDP ist Albert Duin seinem Sturz mit der Ankündigung seines Rückzugs zuvorgekommen. Bei den Freien Wählern setzt die Aiwanger-Dämmerung ein, selbst in der erfolgreichen AfD wetzen die Gegner von Petr Bystron die Messer für den Parteitag im November.
Die CSU ist also in guter Gesellschaft. Dort will die Debatte um Horst Seehofer einfach nicht abreißen. Offenbar ist der Druck der Basis so groß, dass die Abgeordneten ihrem Unmut trotz des eben von ihnen selbst vereinbarten Zeitplans ständig neu Luft machen müssen. Der Schaden wird so täglich größer: Neben Seehofer, der sich in Berlin eigentlich auf Koalitionsverhandlungen konzentrieren müsste, ist inzwischen auch die oberbayerische Vorsitzende Ilse Aigner beschädigt. Während die Basis im größten Bezirk eine selbstbewusst-zupackende Chefin erwartet, zögert die Ministerin, die vor allem Seehofers Abneigung gegen Markus Söder teilt. Angesichts des Trends zum Wechsel ist diese Strategie nicht ohne Risiko.
Bislang scheint keine Oppositionspartei vom Machtkampf in der CSU zu profitieren, zu sehr sind alle mit den eigenen Grabenkämpfen beschäftigt. Am ruhigsten ist es ausgerechnet bei den Grünen. Deren Vorsitzende – Eike Hallitzky und Sigi Hagl – spielen in der Landespolitik allerdings so gut wie keine Rolle. Vielleicht ist das derzeit die beste Versicherung fürs Überleben in hohen Parteiämtern.
Mike Schier
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