Ein knappes Jahr vor Bayerns Landtagswahl ist die Schlachtordnung der Parteien diffus. Als Spitzenkandidat der CSU antreten wird ……. gegen …….. (SPD), als Koalitionspartner bewirbt sich …….. (FDP, alle Namen bitte irgendwann einfügen). Da passt es ins Bild, dass nun auch die Grünen per Kampfabstimmung nach ihren Spitzenkandidaten suchen. Unter anderem Fraktionschef Ludwig Hartmann will in einer Urwahl gewinnen.
Am Ende wird es parteiübergreifend mehrere Urwahlen benötigen, um das Landtags-Spitzenpersonal zu küren. Das ist keine zu belächelnde Entwicklung irgendwo links der Mitte – im Gegenteil. Das volle Mitspracherecht der Basis passt in eine Zeit, in der die Wähler jede Hinterzimmermauschelei zunehmend hinterfragen. Wer als Spitzenkandidat antritt, ist in den heutigen stark personalisierten Wahlkämpfen eine Schlüsselfrage. Gleichzeitig wächst, wie der Bundestagswahlkampf bewies, die Bedeutung der ehrenamtlichen Helfer. Mögen auch alle von Digitalisierung reden – wichtiger denn je ist die physische Präsenz, vom Wahlkampfstand (der übrigens in einer polarisierten Gesellschaft eine hohe Frustrationstoleranz verlangt) bis zur zeitintensiven Haustür-Kampagne. Spitzenkandidaten, die von ihrer Parteibasis in den fünf Wahljahren 2017 bis 2021 (Bund/Land/Europa/Kommunalwahl/Bund) vollen Einsatz erbitten, sind auch gut beraten, sich vorher demütig dem Votum ihrer Parteimitglieder zu stellen.
Christian Deutschländer
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