Der neue Bundestag

Größer, männlicher, bunter

von Redaktion

Von Michael Fischer

Groß wie nie: Der Bundestag ist um zwölf Prozent gewachsen, von 631 auf 709 Mitglieder. Damit ist er nicht nur der größte Bundestag aller Zeiten, sondern auch das größte demokratische Parlament weltweit.

Mehr Parteien: Auch die politische Vielfalt hat zugenommen. Erstmals seit 1957 werden dem Bundestag sechs Fraktionen angehören. Lange Zeit – von 1961 bis 1983 – waren es mit CDU/CSU, SPD und FDP nur halb so viele. Erst dann kamen die Grünen und nach der Wiedervereinigung 1990 die ostdeutsche PDS, die später zur gesamtdeutschen Linken wurde.

Rechte Newcomer: Die AfD ist seit 1990 der erste Neuling. Mit ihr ist erstmals seit 1961 eine Partei rechts von CDU und CSU im Bundestag. Damals schied die nationalkonservative Deutsche Partei aus, die einige Jahre sogar an der Regierung beteiligt war.

Geglücktes Comeback: Die Rückkehr der FDP in den Bundestag ist die erste gelungene Rückkehr einer Partei. Bisher galt: Wer einmal so richtig raus ist, kommt nicht wieder rein. Grüne (1990) und Linke (2002) waren nach Wahlabstürzen zumindest mit einer Rumpftruppe im Parlament vertreten.

Abtrünnige: Mit Frauke Petry und Mario Mieruch gibt es erstmals seit 2002 gleich zu Anfang einer Legislaturperiode wieder fraktionslose Abgeordnete. Die beiden haben der AfD kurz nach der Wahl den Rücken gekehrt und werden auf den hinteren Sitzen isoliert Platz nehmen. Zuletzt zogen vor 15 Jahren zwei Politikerinnen der PDS fraktionslos in den Bundestag ein. Sie hatten Direktmandate gewonnen, ihre Partei scheiterte aber an der 5-Prozent-Hürde.

Leichte Verjüngung: Das Durchschnittsalter der Abgeordneten ist von 49,7 auf 49,4 Jahre gesunken. Die jüngste Fraktion hat die FDP mit einem Alter von durchschnittlich 45,8 Jahren, die älteste die AfD mit 50,7 Jahren.

Der Älteste: Von den zehn ältesten Abgeordneten gehören acht zur AfD. Mit 77 Jahren ist Wilhelm von Gottberg der Senior. In der letzten Legislaturperiode hätte Gottberg damit das Recht gehabt, als Alterspräsident den Bundestag zu eröffnen. Die Regeln wurden aber vor der Wahl geändert.

Der Dienstälteste: Jetzt ist das Dienstalter ausschlaggebend. Mit Abstand dienstältester Abgeordneter ist Wolfgang Schäuble, der dem Bundestag seit 45 Jahren angehört. Aber auch er hält die Eröffnungsrede nicht, weil er in der konstituierenden Sitzung zum Bundestagspräsidenten gewählt werden und dann seine Antrittsrede halten soll.

Der Alterspräsident: Also springt Hermann-Otto Solms ein. Der FDP-Politiker ist der Abgeordnete mit den zweitmeisten Dienst- (33) und Lebensjahren (76).

Der Junior ist Roman Müller-Böhm (FDP) mit 24 Jahren.

Weniger Frauen: Mit 30,7 Prozent ist der Anteil der Frauen im Bundestag so gering wie seit der Wahlperiode 1994 bis 1998 nicht mehr. Immerhin gibt es in den Fraktionen von Grünen (58 Prozent) und Linken (54) mehr Frauen als Männer. In der AfD-Fraktion sind es nur elf Prozent.

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