Der SPD kommt in diesen Tagen der Berliner Aufgeregtheiten nur eine Nebenrolle zu. Sie sollte eher froh darüber sein, denn selbst ihr Parteichef findet: „Die SPD hat in den letzten Tagen kein gutes Bild abgegeben.“ Martin Schulz hat damit völlig Recht. Sein Problem ist nur: Das gilt auch für den Vorsitzenden selbst, der zunächst seinen General Hubertus Heil opfern musste, um dann mühsam den B-Kandidaten Lars Klingbeil durchzudrücken. Kurz darauf kam ihm unter lautem Gepolter die Bundesgeschäftsführerin abhanden. Und schließlich passte ins Bild, dass Thomas Oppermann bei seiner Nominierung als Bundestagsvize ein blamables Ergebnis kassierte.
Intern wird also viel Porzellan zerschlagen. Nach außen scheint der „Neuanfang“ der SPD daraus zu bestehen, dass Spitzengenossen auch weiterhin am besten aus Niedersachsen kommen. Andrea Nahles wird so immer unentbehrlicher in der Bundestags-SPD – an deren Spitze repräsentiert sie als Rheinland-Pfälzerin (!) den ganzen Süden der Republik und jetzt auch noch alle Frauen.
Neue Themen, neue Ideen sucht man vergeblich. Stattdessen wurden beim Postengeschacher Vertreter des konservativen „Seeheimer Kreises“ bevorzugt. Noch steht die Basis zu Schulz. Aber sie wartet auf ein Zeichen, wie die neue SPD aussehen soll. Bislang vergeblich.
Mike Schier
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