samstagsKolumne

Maria Knotenlöserin – hilf!

von Redaktion

Kaiser Wilhelm meinte: „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche!“ Im Blick auf das, was aus den Jamaika-Sondierungsgesprächen zu hören ist, wäre mancher froh, wenn auch wir weniger Parteitaktik zu ertragen hätten. Das Grundgesetz wollte nicht, dass die Parteien alles bestimmen. Artikel 21 weist ihnen eine eher bescheidene Rolle zu mit dem Satz: „Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit.“

Damit verträgt sich schlecht, was die vier möglichen künftigen Koalitionäre CDU, CSU, FDP und Grüne in einem vermutlich viele Seiten umfassenden Koalitionsvertrag alles festzurren wollen, was doch in Wahrheit, wenn es um Gesetze geht, durch den Bundestag zu gegebener Zeit mit Rücksicht auf die dann waltenden Umstände zu regeln ist. Die FDP will finanzpolitische Eckpunkte, die aber vage bleiben müssen, weil die kostenträchtigen Forderungen anderer Unterhändler sich mit einer soliden Finanzpolitik eines Schäuble kaum vereinen lassen werden. Die CSU dagegen schielt auf die Landtagswahl 2018. Sie wird alle Kompromisse daraufhin prüfen, ob sie damit bei den bayerischen Wählern punkten kann. In der Flüchtlings- und Einwanderungspolitik wird das schwer, weil die Grünen hier eine ganz andere, offene und flüchtlingsfreundliche Linie vertreten, was man ihnen zu- gutehalten muss. Vor allem aber wollen die Grünen Deutschland zum Klima-Musterland machen. Die Welt sozusagen soll genesen am grünen deutschen Wesen ohne Rücksicht auf unsere Industrie und Landwirtschaft. Das darf nicht sein. Die Kanzlerin ist laut Spiegel „die positionsärmste Regierungschefin in der Geschichte der Bundesrepublik.“ Von ihr war aus den Koalitionsgesprächen lange nichts zu hören – aus gutem Grund. Sie will doch einen Kompromiss zustande bringen, um Kanzlerin zu bleiben. Wie ein total verwirrter Knoten, schwer wie Blei, wird dieser Koalitionsvertrag der Widersprüche auf dem künftigen Kabinettstisch liegen. Angela Merkel, die große Taktikerin, wird ihn nicht mit einem Schwertstreich durchschlagen können, wie das einst Alexander der Große mit dem berühmten Gordischen Knoten getan hat.

Bleibt zu hoffen, dass der neuen Bundesregierung der Gegensätze die Gnade einer „Maria Knotenlöserin“ zuteil- wird, so wie sie in der katholischen Wallfahrtskirche St. Peter am Perlach in Augsburg auf einem berühmten Bild zu sehen ist. Johann Georg Melchior Schmidtner hat es um das Jahr 1700 gemalt.

Dort ist die Madonna dargestellt als Helferin bei der „Entknotung“ von Problemen. Nicht mit dem Schwert, sondern mit ihren Händen löst Maria den Knoten bzw. die Probleme, die er darstellt. Nicht Gewalt, sondern Geduld und Einfühlungsvermögen setzt sie dazu ein.

Vielleicht schenkt die Madonna aus Augsburg bald den Führern unserer nächsten Regierung auch die Einsicht, dass Politik und Regieren immer nur die Kunst des Möglichen ist und dass es der Bundestag mit unabhängigen Abgeordneten ist, der nach unserer Verfassung über den Parteien und ihren Interessen steht.

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