Eins ist klar: Mangelnde Gipfellust kann man den Regierungen der Welt nicht vorwerfen. Gestern hat in Bonn die 23. Weltklimakonferenz begonnen. Die 23.! Gemessen an dieser Zahl sind die Ergebnisse allerdings bescheiden. Die CO2-Konzentration ist laut UN im vergangenen Jahr so schnell gestiegen wie nie zuvor. Vielen Ländern mangelt es am Willen, die vereinbarten Klimaziele umzusetzen. Und mit den USA will der zweitgrößte Klimasünder des Globus aus dem ambitionierten Pariser Abkommen aussteigen. Also – Weltrettung gescheitert?
Pessimismus hilft nicht weiter. Und er bildet auch nicht die ganze Wahrheit ab. Einzelne US-Bundesstaaten wie Kalifornien oder New York haben – in klarer Abgrenzung zum Erderwärmungs-Skeptiker Donald Trump – eigene Klimaschutzmaßnahmen ergriffen. Weltweit stellen sich Regionen, Städte und Unternehmen auf die Herausforderungen ein und begreifen die Umstellung der Energieversorgung zunehmend als Chance, auch mit Blick auf neue Arbeitsplätze. Experten glauben gar, dass die Großverschmutzer China und Indien ihre Klimaziele übererfüllen werden. Das sind hoffnungsvolle Signale, die zumindest von der Einsicht zeugen, endlich handeln zu müssen.
Trotzdem ist der gute Wille Einzelner bei Weitem nicht genug. Deshalb müssen sich die Bonner Gipfelteilnehmer unbedingt auf verbindliche Regeln zur Umsetzung der Pariser Klimaziele verständigen. Und sie müssen einen Kontrollmechanismus für die Einhaltung der Ziele etablieren. Das Ausscheren der USA ist per se kein gutes Zeichen. Aber es kann dazu führen, dass die übrigen Akteure ihre historische Aufgabe künftig ernster nehmen. Europa und Asien könnten gemeinsam Vorreiter sein. Es wäre bitter nötig.
Marcus Mäckler
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