Nun also wissen wir’s: Die Verbrauchsangaben für Autos sind unrealistisch niedrig – und die Lücke zwischen wirklichem Verbrauch und Labormessungen ist angewachsen. Vielleicht haben Sie in den letzten Jahren kein Auto gefahren. Oder der Verbrauch interessiert Sie schlichtweg nicht. Dann ist die Sache für Sie vielleicht neu. Für alle anderen Autofahrer bestätigt sich: Ein Pkw, der laut Prospekt fünf Liter auf 100 Kilometer verbraucht, wird sich im wirklichen Leben kaum mit sechs Litern begnügen, meist werden es eher um die sieben sein.
Aufgewärmter Kaffee: Die Umweltorganisation ICCT hat für ihre Studie keinerlei neue Daten erhoben, sondern bekannte Veröffentlichungen mit ähnlichen Ergebnissen zusammengefasst. Das ist sicher verdienstvoll. Und die Auswertung enthält durchaus interessante Details. Nur die angebliche Sensation, die viele daraus machen, ist keine. Es wird erneut, aber mit mehr Getöse, die gleiche Sau durchs Dorf getrieben, um Aufmerksamkeit zu erregen.
Der weltfremde Neue Europäische Fahrzyklus (NEFZ), nach dem der Normverbrauch ermittelt wird, steht ohnehin vor der Ablösung. Ob es Autofahrer freuen wird, dass der Verbrauchs-Betrug ein Ende hat, ist aber zu bezweifeln. Denn die Opfer waren auch heimliche Profiteure. Neuwagenkäufer werden das bald spüren: Mit den neuen, ehrlicheren Verbrauchswerten steigt ihre Kfz-Steuer.
Martin Prem
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