Integration von Flüchtlingen

An die Fakten halten

von Redaktion

Wenn ein junger Mensch seine Berufsausbildung abbricht, kann das ganz unterschiedliche Gründe haben. Geht es um Flüchtlinge, die immer häufiger eine Lehre in Bayern beginnen, wird neben Sprachproblemen oft auch fehlende Motivation angeführt. Derartige Berichte, die im Einzelfall zutreffen mögen, aber das Gesamtbild verzerren, schrecken so manchen Ausbildungsbetrieb ab. Fakt ist, dass die Abbrecherquoten unter Auszubildenden mit Fluchthintergrund in den vergangenen Monaten stark zurückgegangen sind – auch dank Politik, Kammern und Arbeitgebern, die viel tun, um den jungen Leuten unter die Arme zu greifen, wenn es nötig ist.

Im bayerischen Handwerk brechen mittlerweile genauso viele Lehrlinge mit Fluchthintergrund wie ohne ihre Ausbildung ab. In Industrie und Handel lag die Abbrecherquote bei Azubis mit Fluchthintergrund 2016 bei knapp 28 Prozent, bei Azubis mit deutscher Staatsangehörigkeit bei knapp 20 Prozent. Fehlende Motivation kann man den jungen Leuten, die in vielen Fällen schon einiges durchgemacht haben, also kaum vorwerfen. Und noch eine andere Zahl sollten sich Kritiker vor Augen führen: Ohne die jungen Flüchtlinge wäre die Zahl der neuen Lehrverträge in Bayern in zahlreichen Berufen in diesem Jahr rückläufig. Diese Fakten sprechen für sich.

Manuela Dollinger

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