Im Chaos gedeiht der Terror am besten. Das war in Syrien und im Irak so. Und es sieht so aus, als sei Afghanistan, neben Libyen, der nächste fruchtbare Nährboden für den Parasiten IS. Es ist leider wie so oft: Der Westen trägt einen großen Teil der Schuld daran. Oder soll man es Zufall nennen, dass die Terrormiliz just nach dem überstürzten Ende des internationalen Kampfeinsatzes 2014 begann, sich in Afghanistan so richtig wohlzufühlen?
Schon jetzt haben die Extremisten es geschafft, Sunniten und Schiiten, die in Afghanistan verhältnismäßig ruhig miteinander lebten, gegeneinander aufzuhetzen. Das ist eine heikle Sache für den labilen Staat, der schon gegen die wieder erstarkenden Taliban kein Mittel weiß. Und es lässt Böses für die Region vermuten, in der der Konflikt zwischen den beiden Glaubensrichtungen immer weiter aufbricht. Vor allem die Aggressionen zwischen dem wahabitischen Saudi-Arabien und dem schiitisch geprägten Iran spitzen sich gefährlich zu. Ein regionales Chaos wäre ganz nach dem Geschmack der IS-Terroristen.
Es ist leider unumgänglich, dass die Nato, wie geplant, wieder mehr Soldaten nach Afghanistan schickt. Dabei wird es nicht, wie Donald Trump behauptet, um den Sieg gehen – sondern darum, das Schlimmste zu verhindern. Wie es aussieht, wird Deutschland sein Kontingent an Soldaten nicht aufstocken. Aber es sollte dringend davon Abstand nehmen, auch Nicht-Kriminelle nach Afghanistan abzuschieben. Ein Land, in dem der IS und die Taliban an Einfluss gewinnen, ist nicht sicher.
Marcus Mäckler
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