Premiumkabinen, Entspannungsabteile, Spielekonsolen und zur WM Public Viewing im Waggon – siehe da: Die Deutsche Bahn hat noch Visionen. Zwar nicht vom pünktlichen Transport des Alltagspassagiers vom Bahnhof A zu B. Wohl aber von einer Innenausstattung des Waggons, die eher in ein Wellness-Hotel passt, nicht aber in ein Massentransportmittel. Der wohlwollende Betrachter des Ideenzugs, den die Bahn gestern aufs Gleis gesetzt hat, wird diese Utopien belächeln. Motto: Man wird ja wohl noch träumen dürfen. Der normale Fahrgast wäre froh, einen Sitzplatz zu ergattern, und ärgert sich wahrscheinlich über Geldverschwendung – und er hat ja auch Recht. Die meisten Ideen sind so versponnen, dass sie niemals Wirklichkeit werden dürften.
Aber ja: Visionen für die Bahn sind durchaus gefragt. Nur eben andere als lustigen Schnickschnack im Regionalexpress. Wo sind denn bitte schön die Visionen für den Ausbau des Regionalverkehrs – auch in Oberbayern? Ein zweites Gleis bis nach Garmisch-Partenkirchen und für die Mangfalltalstrecke, ein drittes und viertes für die S-Bahnen Richtung Freising und Fürstenfeldbruck, eine Elektrifizierung der Bayerischen Oberlandbahn, der Bau eines langen Tunnels im Inntal, um den Güterverkehr aufzunehmen – das sind die wirklich wichtigen Zukunftsthemen, von denen leider zu wenig die Rede ist. Die Gründe liegen auf der Hand: Die Verkehrspolitik im Sinne der Bahn wirklich zu forcieren, würde etliche Milliarden kosten. Die Vorhersage sei gewagt: Da traut sich niemand ran, auch die Jamaikaner nicht. Dann doch lieber ein Drehsessel in der überfüllten Bummelbahn.
Dirk Walter
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