Berliner Polizei von Clans unterwandert?

von Redaktion

Heftige Vorwürfe gegen Polizeiakademie: Gewerkschafter spricht von „deutlichen Hinweisen“

Berlin – Mangelnder Respekt vor Ausbildern, Lernverweigerung, ein Klima von Hass und Gewalt. Auf die Berliner Polizeiakademie prasseln seit Tagen heftige Vorwürfe ein. Einer wiegt besonders schwer: Kriminelle arabische Clans sollen gezielt Mitglieder in die Akademie eingeschleust haben. Bodo Pfalzgraf, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), sprach im ZDF von „deutlichen Hinweisen“. Die Clans hätten ein „vitales Interesse“ daran, zu wissen, wie die Polizei tickt und wo die nächste Durchsuchung stattfindet.

Die Vorwürfe waren anonym an die Polizeispitze gelangt. In einem Brief an Berlins Polizeipräsidenten Klaus Kandt heißt es, die Unterwanderung von Verwaltung und Justiz habe begonnen, es sei nur eine Frage der Zeit, bis der erste Schuss zwischen „rivalisierenden Ethnien“ an der Akademie falle. Der Schreiber gibt an, selbst LKA-Beamter zu sein. In einer Audio-Datei, die die „Welt“ veröffentlichte, äußert sich ein Ausbilder abfällig über eine Klasse, in der vor allem Schüler mit Migrationshintergrund säßen. „Ich hab’ noch nie so was erlebt, der Klassenraum sah aus wie Sau, die Hälfte Araber und Türken, frech wie Sau. Dumm. Konnten sich nicht artikulieren.“

Beweise gibt es allerdings nicht. „Niemand, der sich hier beschwert, kann etwas belegen“, sagte Kandt gestern in einer Sondersitzung des Innenausschusses. Den Vorwurf der Unterwanderung wies er zurück: „Die Behauptung ist definitiv falsch.“ Zuvor hatte er das anonyme Schreiben als „diffamierend“ und „strafrechtlich relevant“ kritisiert. Innensenator Andreas Geisel (SPD) betonte, er werde Fremdenfeindlichkeit in der Polizei „nicht dulden“. 45 Prozent der 1200 Berliner Polizeianwärter haben Migrationshintergrund.

Dass es Probleme in der Akademie gibt, bestreitet die Polizei nicht. Manche Anwärter beherrschten die deutsche Sprache nur ungenügend, sagte ein Sprecher. Andere seien straffällig geworden. In diesem Jahr wurden 33 Disziplinarverfahren eingeleitet – etwa wegen Täuschung in Prüfungen, Beleidigung, Körperverletzung oder Fernbleiben vom Dienst. Es gab einen Verweis und zwei Entlassungen.

Zwei Fälle setzen die Polizei besonders unter Druck. Laut Recherchen des „rbb“ sollen LKA-Beamte bei der Kontrolle einer Bar im September neben Clan-Mitgliedern auch auf einen Akademieschüler getroffen sein. Gestern berichtete die „B.Z.“ zudem von einer arabischstämmigen Studentin, die während eines Polizei-Praktikums Fahndungsbilder einer arabischen Großfamilie abfotografiert haben soll. In der Vergangenheit war es in der Akademie auch zu fremdenfeindlichen Vorfällen gekommen.  mmä/dpa

Artikel 8 von 11