Rebellion im Freistaat: Wer folgt Seehofer?

Ein Tandem für die CSU

von Redaktion

Aigner, Herrmann, Stamm, Weber: In Scharen eilen seit dem Wochenende und dem großen JU-Knall die Oberen der CSU herbei, um Horst Seehofer zu stützen. Für den Parteichef ist das keine wirklich gute Nachricht: Wer gestützt werden muss, kann alleine nicht mehr stehen. Weiter unten in der CSU, in den Kreis- und Ortsvereinen, der Leberkäs-Etage, wo das Herz der Partei schlägt, herrscht teils offene Rebellion. Immer wirkungsloser verpuffen die Durchhalteparolen des Partei-Establishments, den Chef doch bitteschön nicht schon während der Koalitionsgespräche in Berlin zu demontieren.

Seehofer kennt seine Partei zu gut, um sich Illusionen hinsichtlich des Ausgangs des Dramas hinzugeben: Er wird stürzen wie seine Vorgänger, wie Stoiber, Huber, Beckstein und Streibl. Die CSU hat viel Übung darin, ihre strauchelnden starken Männer in den vorgezogenen Ruhestand zu schicken, und sie achtet dabei nicht übermäßig auf Haltungsnoten. Das musste schon der Partei-Halbgott Stoiber 2007 erleben. Für einen Abgang in Würde ist es jetzt auch für den Ingolstädter zu spät. Das ist tragisch für einen, der sich wie er große Verdienste um die Partei erworben hat. Aber es ist, anders als Seehofer sich selbst und der Öffentlichkeit einredet, nicht die Niedertracht Söders, die ihn jetzt zu Fall bringt. Sondern der am 24. September verlorene Glaube seiner Partei in ihn und seine Kraft, die CSU noch zu Wahlerfolgen führen zu können.

Über allem Streit steht in der CSU der unbedingte Wille, als Volkspartei zu überleben. Sie wird sich deshalb eher früher als später auf eine neue Machtarchitektur einigen, in deren Mittelpunkt Markus Söder steht. Als bayerischer Ministerpräsident, aber nicht als Alleinherrscher – denn dafür ist er im liberalen Flügel der Partei zu unbeliebt. Deshalb soll der Nürnberger eingehegt werden. Noch hat es Seehofer in der Hand, selbst als Parteichef und Superminister einer Jamaika-Koalition nach Berlin zu gehen und einen Rest seiner Macht zu retten. Schlägt er diese Option aus, könnte der Parteivorsitz statt an die häufig genannten Kandidaten Manfred Weber (zu weit weg, auch vom Bauch der Partei) und Joachim Herrmann (ein Franke zu viel) auch an einen Überraschungsmann aus Oberbayern fallen: den Peißenberger Alexander Dobrindt. Er zieht als Landesgruppenchef ohnehin künftig die CSU-Strippen in Berlin und steht Söder programmatisch nahe – auch in dem Ziel, der AfD durch einen konservativeren Kurs die Wähler wieder abzujagen. In Teilen der Partei macht ihn das schwer vermittelbar, gewiss. Ein Söder/Dobrindt-Duumvirat wäre aber in jedem Fall ein starkes Signal: für die Verjüngung der Partei. Für einen fränkisch-oberbayerischen Brückenschlag. Und zugleich die Gewähr, dass die CSU in München und Berlin künftig am selben Strang – und in dieselbe Richtung – zieht. Dobrindts ebenso heftiges wie überraschendes Keilen gegen die Grünen („Schwachsinnstermine“), das in Berlin am Dienstag für so großes Staunen sorgte, darf wohl als Bewerbung für den CSU-Chefsessel verstanden werden.

Georg Anastasiadis

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