Als vor einem Jahr Donald Trump die US-Präsidentschaftswahlen gewann, war dies eine Sensation. Der Außenseiter, den den „Sumpf“ in Washington trocken legen will, trieb Wutbürger in unerwartet großen Zahlen zur Abstimmung. Der Ex-Fernsehstar schaffte die Revolution gegen das bei seiner Klientel so verhasste Establishment, zu dem auch Hillary Clinton zählt.
Viel ist seither geschehen. Das ohnehin durch den gescheiterten Versöhner Barack Obama polarisierte Land scheint tiefer gespalten als je zuvor. Donald Trump ist kein einfach zu akzeptierender Präsident. Seine Twitter-Tiraden, sein leichtfertiger Umgang mit „alternativen Fakten“ und die noch nicht vollständig ausgeleuchteten Kontakte seines Teams zu Russland machen ihn zu einer Person, die sich bei Bedarf leicht hassen lässt.
Das gilt auch für die internationale Ebene. Trump folgt Überzeugungen, wenn er um die Außen- und Sicherheitspolitik geht. Der Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen entspricht seiner Ansicht, globale Erwärmung sei „fake news“. Zudem sieht er, unter dem die Zahl der Arbeitslosen auf nur noch 4,1 Prozent gesunken ist, in Klimaverträgen wie auch dem offenen Welthandel eine Gefahr für Jobs und den Börsen-Boom. Seine restriktive Einwanderungspolitik sorgt ebenso für Ängste wie die Rhetorik gegenüber Nordkorea. Viele glauben, der US-Präsident werde das Land in einen neuen Krieg treiben, und übersehen doch das Kleingedruckte: Eine Attacke wird es nur nach einem Erstschlag des „Raketenmannes“ (Trump) in Pjöngjang geben. Dafür werden auch die beratenden US-Generäle sorgen.
Übersehen wird auch gerne ein anderer Faktor: Trump hat weiter Hardcore-Anhänger. Trotz aller Negativschlagzeilen oder der jüngsten Erfolge der Demokraten bei einer Zahl von regionalen Wahlentscheidungen wird es keinen Rücktritt geben. Das bedeutet: Donald Trump sitzt sicherer im Sattel, als es die meisten glauben.
Friedemann Diederichs
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