Peking/Seoul – In der Krise mit Nordkorea fordert US-Präsident Donald Trump noch mehr Druck Chinas auf seinen störrischen Nachbarn. Nach seinem Besuch in Südkorea, wo er deutliche Warnungen an Machthaber Kim Jong Un richtete, traf Trump auf seiner Asienreise gestern in Peking mit dem chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping zusammen. Der Konflikt über Nordkoreas Atomwaffen- und Raketenprogramm sowie Handelsstreitigkeiten standen im Mittelpunkt der Gespräche.
Damit Trump seinen ersten China-Besuch als US-Präsident daheim auch als Erfolg präsentieren kann, machte die chinesische Seite eine Reihe von Milliardengeschäften möglich. Chinesische und amerikanische Unternehmen unterzeichneten Abkommen mit einem Umfang von neun Milliarden US-Dollar. Weitere Vereinbarungen sind für heute geplant, berichtete Chinas Vizepremier Wang Yang. Es sei nur ein „Aufwärmen“ gewesen: „Die beste Show folgt morgen“, zitierte ihn der China News Service.
Zum Auftakt des Besuchs besichtigten Trump und Xi Jinping mit ihren Frauen, Melania Trump und Peng Liyuan, die Verbotene Stadt. Beim Teetrinken im Kaiserpalast zeigte der US-Präsident auf einem Tabletcomputer Videos seiner Chinesisch lernenden Enkelin Arabella Kushner, auf denen sie Lieder auf Chinesisch singt und alte chinesische Gedichte rezitiert. Erfreut gab ihr Xi Jinping die Note „Eins“. Die Sechsjährige sei mit ihren Videos ein Star in Chinas Internet.
Die chinesische Seite scheut keine Mühen, um Trump einen „Staatsbesuch-Plus“ zu bereiten, wie es hieß. Informierte Kreise berichteten, dass China zuvor auch massiv auf Nordkorea eingewirkt habe, die Visite nicht durch einen neuen Raketen- oder Atomtest zu torpedieren. Trump will die Sanktionsschraube noch stärker anziehen und hofft auf Xi Jinpings Unterstützung, um „maximalen Druck“ auf Machthaber Kim Jong Un auszuüben.
China tue schon „sehr viel mehr als in der Vergangenheit“, sagte ein Beamter in Trumps Tross. Trotz der Resolutionen des Sicherheitsrates gebe es aber weiter Handelsaktivitäten über die Grenze zwischen China und Nordkorea sowie finanzielle Verbindungen, die es nicht mehr geben sollte. Es dürften keine Schlupflöcher erlaubt werden.
Am Ende seiner Asienreise will Trump auch darüber entscheiden, ob Nordkorea wieder auf die Liste der Staaten aufgenommen wird, die Terrorismus unterstützen, berichtete seine Sprecherin. Damit drohen neue Sanktionen. In Seoul hatte Trump am Morgen in einer Rede vor der Nationalversammlung Nordkorea gewarnt, die Warnungen der USA nicht ernstzunehmen.
„Ich hoffe, für alle freien Nationen zu sprechen und nicht nur für die USA, wenn ich sage – unterschätzt uns nicht. Fordert uns nicht heraus“, sagte Trump. In seiner Ansprache zeichnete der Präsident einen scharfen Kontrast zwischen einem freien, prosperierenden Südkorea und einem völlig verkommenen, am Boden liegenden Norden. „Nordkorea ist ein Land, das wie eine Sekte regiert wird.“ Nordkorea sei eine Hölle, die kein Mensch verdiene.
Anders als am Vortag, als Trump mit diplomatischen Äußerungen überrascht hatte, sprach er zwar nicht mehr davon, dass es Bewegung in dem festgefahrenen Konflikt gebe. Er eskalierte aber auch nicht weiter. Seine Rhetorik war kräftig, aber nicht kriegerisch. Wenige Stunden zuvor war Trump wegen schlechten Wetters mit dem Versuch gescheitert, unangekündigt in die demilitarisierte Zone (DMZ) zwischen Süd- und Nordkorea zu fliegen. Nach Angaben seiner Sprecherin war Trump nur fünf Minuten von der Pufferzone entfernt gewesen, bevor dichter Nebel die Hubschrauber zum Umkehren gezwungen habe. „Ich denke, dass er sehr enttäuscht ist.“ Der Flug sei aus Sicherheitsgründen geheimgehalten worden, hieß es. Es wäre das erste Mal gewesen, dass die Präsidenten der USA und Südkoreas die Zone gemeinsam besucht hätten.