Berlin – Annette Schavan (CDU) könnte Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) werden. Das berichten mehrere Medien. Sie musste vor vier Jahren als Bundesbildungsministerin wegen Plagiatsvorwürfen zurücktreten. Später wurden ihr Doktortitel und Studienabschluss wegen Fälschung aberkannt. Kurz darauf wurde sie, dank Fürsprache von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Botschafterin der Bundesrepublik beim Vatikan.
Offenbar interessiert sich die 62-Jährige nun stark für den Vorsitz der KAS. Sie bedränge Parteifreunde und streue das Gerücht, bereits eine Zusage der CDU-Chefin Angela Merkel zu haben, will beispielsweise der „Tagesspiegel“ aus gut informierten Kreisen erfahren haben. Die Gerüchteküche brodelt. Auch Norbert Lammert (CDU), bis vor wenigen Wochen Bundestagspräsident und bereits KAS-Vize, strebt nach dem Amt.
Die Adenauer-Stiftung will sich auf Anfrage nicht äußern: „Wir kennen die Berichte, beteiligen uns jedoch an den dort verbreiteten Spekulationen nicht“, sagt Sprecher Tobias Bott. Gewählt werde am 1. Dezember in der Mitgliederversammlung. „Sie ist das höchste Organ und frei in der Entscheidung.“ Ob eine Promotionsbetrügerin an der Spitze einer Bildungsorganisation richtig sei, bleibt damit unbeantwortet.
Seine Bereitschaft für den Vorsitz hat Norbert Lammert gegenüber dem „Tagesspiegel“ bereits geäußert: „Ich stehe für den Vorsitz der Adenauer-Stiftung zur Verfügung.“ Er gilt als reformwillig und durchsetzungsfähig. Der bisherige Vorsitzende Hans-Gert Pöttering, 72, seit 2009 im Amt, hat laut Medienberichten angekündigt, Lammert den Vortritt zu lassen, Schavan dagegen nicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel könnte auch Pöttering ein weiteres Mal zur Wahl vorschlagen. Dann bliebe alles beim Alten. ada