Droht im Libanon ein neuer Stellvertreterkonflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran? Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat am Freitag in einem Telefonat mit seinem saudischen Kollegen Adel al-Dschubair seine „große Sorge“ über die dortige Lage ausgedrückt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte sich schon am Donnerstagabend bei einem Spontan-Besuch in der saudischen Hauptstadt Riad für eine friedliche Lösung der Krise eingesetzt.
Libanons Ministerpräsident und Saudi-Verbündeter Saad Hariri hatte unlängst seinen Rücktritt erklärt. Die vom Iran unterstützte libanesische Schiitenmiliz Hisbollah beschuldigte Saudi-Arabien am Freitag, Hariri zum Rücktritt gezwungen zu haben und ihn nun festzuhalten. Hisbollahchef Hassan Nasrallah warf der saudischen Führung in einer TV-Ansprache zugleich vor, Israel zu einem Schlag gegen den Libanon aufwiegeln zu wollen.
Im multikonfessionellen Libanon herrscht ein fragiles politisches Gleichgewicht zwischen Sunniten, Schiiten und Christen. Stärkste Kraft ist die Hisbollah.
Zypern bereitet sich schon auf eine mögliche Flüchtlingswelle aus dem destabilisierten Land vor. Sein Land könnte zu einer Art Brücke zur Evakuierung europäischer und amerikanischer Bürger werden, sagte Außenminister Ioannis Kasoulidis. Der Krisenplan könne umgesetzt werden, „sobald es nötig ist“.
Gabriel sagte im Gespräch mit seinem saudischen Kollegen, dass die Fortschritte im Libanon unter der Führung von Hariri „nicht in Gefahr geraten“ dürften, wie eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin berichtete. Die Grünen-Abgeordnete Franziska Brantner forderte ein Krisentreffen der EU-Außenminister. Die Bundesregierung appellierte an Saudi-Arabien und den Iran, „die Stabilität im Libanon nicht zu schwächen“.