US-Präsident auf Asien-Reise

Schmusekurs mit Duterte

von Redaktion

Philippinischer Staatschef bietet dem Amerikaner die große Show – Streit der Sprecher: Waren Menschenrechte Thema oder nicht?

Manila – Man sieht es Donald Trump an, wenn ihm etwas gefällt. Wenn nicht, neigt er dazu, ins Leere zu schauen oder arge Grimassen zu schneiden. Doch jetzt, im Messezentrum von Manila, nach mehr als zehn Tagen Asien-Tour, wirkt der US-Präsident grundzufrieden. Zum Auftakt des vorletzten Gipfels (dieses Mal: Asean, die Gemeinschaft Südostasiatischer Staaten) gibt es in der Hauptstadt der Philippinen ausnahmsweise keine Reden, sondern eine zuckersüße Show.

Als guter Gastgeber präsentiert der philippinische Präsident Rodrigo Duterte eine Art asiatisches Musical in Halbstundenversion: Ballett, Streichorchester, Kinderchor, alles dabei. Höhepunkt ist eine Hymne, die die Philippiner eigens zum 50-jährigen Bestehen von Asean haben komponieren lassen. Die Disney-Leute könnten es kaum besser. „Wunderbares Talent“, schwärmt Trump. „Musik. Tanz. Großartig.“

Es ist ein Gipfel ganz nach seinem Geschmack. Am Abend zuvor, beim Galadinner der Staats- und Regierungschefs, hatte Duterte sogar selbst für ihn gesungen: „Ikaw“ („Du“), ein philippinisches Liebeslied. Nach dem letzten Ton widmet er das Lied dem „Oberkommandierenden der Vereinigten Staaten“. Kaum zu glauben, dass dies derselbe Mann ist, der sich erst letzte Woche wieder damit gebrüstet hatte, jemanden eigenhändig umgebracht zu haben.

Denn Duterte ist ja nicht nur Gipfel-Gastgeber, sondern auch einer der umstrittensten Staatschefs der Welt. In den ersten 16 Monaten „Drogenkrieg“ – einem brutalen Vorgehen gegen echte und vermeintliche Kriminelle – gab es schon tausende Tote. Als Vorbild, wie man Millionen Leute „schlachtet“, nannte der ehemalige Staatsanwalt ausgerechnet Adolf Hitler. Nun, auf Trumps Asien-Reise, waren die beiden immer wieder zu sehen, wie sie freundlich Hände schüttelten und zusammenstanden. Zur Freude des Gastgebers in Manila zog Trump auch einen golden schimmernden Barong an, das traditionelle Männerhemd auf den Philippinen, das über der Hose getragen wird. Nur beim Familienfoto, als er sich mit Duterte über Kreuz die Hände reichen sollte, tat Trump sich schwer. Das war sehr sinnbildlich, lag aber wohl auch daran, dass Trump damit keine Erfahrung hatte – und an den 25 Zentimetern Größenunterschied zwischen den beiden.

Wozu man von Trump kein Wort hörte, war Dutertes Umgang mit politischen Gegnern und mit Menschenrechten im Allgemeinen. Es war nicht einmal in Erfahrung zu bringen, ob das Thema überhaupt angesprochen wurde, nachdem Kameras und Mikrofone draußen waren. Das Weiße Haus behauptete: Ja. Die Philippiner widersprachen.

Trumps Sprecherin Sarah Sanders sagte nach dem 40-minütigen Treffen, das Thema habe in Zusammenhang mit dem Kampf gegen Drogen „kurz“ eine Rolle gespielt. Die Replik von Dutertes Sprecher Harry Roque kam sofort: „Nein. Das Thema kam nicht hoch. Es gab keine Erwähnung von Menschenrechten. Es gab keine Erwähnung von außergerichtlichen Tötungen.“ Wer sagt die Wahrheit, wer nicht?

An seinem kumpelhaften Umgang mit den verschiedenen autoritären Figuren von Asiens Politik findet Trump nichts Besonderes. Folge der geänderten Asienpolitik ist, dass sich die Regierungen in verschiedenen Asean-Staaten mehr herausnehmen als zu Obamas Zeiten. In Vietnam, in Thailand, in Kambodscha wird deutlich härter gegen die Opposition vorgegangen. C. Sator / M. Bialecki

Artikel 7 von 11