Präsident unter Hausarrest

Putsch in Simbabwe

von Redaktion

von Marcus Mäckler

Harare – Der runde Mann im Tarnanzug spricht langsam, als wollte er seine Zuhörer beruhigen. Seine Exzellenz, der Präsident und Genosse Robert Mugabe, sei in Sicherheit, sagt er mit starrer Mine in die Kamera. Das Militär habe kurzzeitig die Macht übernommen, um „Kriminelle“ im Umfeld Mugabes zu verhaften. „Sobald wir unsere Mission erfüllt haben, erwarten wir eine Rückkehr zur Normalität.“

Es ist Mittwochmorgen, als Generalmajor Moyo das sagt. Zu diesem Zeitpunkt patroullieren längst bewaffnete Soldaten durch die Straßen von Simbabwes Hauptstadt Harare. Das Militär hat die wichtigsten Regierungsgebäude, den Amtssitz des Präsidenten und das Parlament, abgeriegelt. Auch der staatliche TV-Sender ist besetzt. In dem sagt Moyo noch einen Satz, der das Chaos perfekt macht: Dies sei kein Putsch.

Die Lage in dem südafrikanischen Land ist, Stand gestern, ziemlich unübersichtlich. Laut Moyo geht es dem Militär darum, die „sich verschlimmernde politische, soziale und wirtschaftliche“ Lage zu überwinden. Eigentlicher Grund für die Militäraktion dürfte aber ein Machtkampf um die Nachfolge des nicht mehr ganz jungen Präsidenten sein. Der 93-Jährige steht, wie er Südafrikas Präsidenten Jacob Zuma am Telefon sagte, unter Hausarrest. Soldaten sollen einige Minister festgenommen haben, unter anderem Finanzminister Ignatius Chombo.

Seine Verhaftung ist aufschlussreich. Er gilt als einer der prominentesten Unterstützer von Mugabes Frau Grace, 52. „Sie hat in den letzten Jahren versucht, sich als Nachfolgerin ihres Mannes zu positionieren“, sagt Julia Grauvogel vom Hamburger Giga-Institut für Afrika-Studien. „In Teilen der Regierungspartei ZANU-PF ist sie aber sehr unpopulär.“ Als große Widersacher gelten etwa Armee-Chef General Constantino Chiwenga und Mugabes langjähriger Vizepräsident Emmerson Mnangagwa, 75, der selbst Ambitionen auf das Präsidentenamt hat. Ihn hatte Mugabe vergangenen Woche entlassen, wohl in der Absicht, den Weg für seine Frau freizumachen.

Die drei Männer verbindet eigentlich eine gemeinsame Geschichte. Sie kämpften zusammen gegen das weiße Regime in Rhodesien, aus dem Sambia und Simbabwe hervorgingen. 1980 wurde Mugabe Premierminister und galt lange als einer der Hoffnungsträger des Kontinents. Ein brillanter Rhetoriker mit etwas schrägem Zahnbürstenbart und übergroßer Brille, der zunächst für ein friedliches Zusammenleben von Schwarzen und Weißen stand. Richard von Weizsäcker nannte Mugabe einen „klugen, besonnenen Politiker“.

Doch der Herrscher hielt sich zunehmend für unersetzbar und regierte spätestens ab den frühen Nuller-Jahren autoritär. „Nur Gott, der mich ernannt hat, wird mich abwählen können“, sagte er 2008. Im selben Jahr kam es zu einer schweren Wirtschaftskrise mit Hyperinflation. Heute gilt das rohstoffreiche Simbabwe mit seinen 15 Millionen Einwohnern als eines der ärmsten Länder der Welt. Julia Grauvogel war 2013 dort: „Ich habe ein deprimiertes Land erlebt.“

Südafrikas Präsident Zuma warnte die Armee gestern vor einem Umsturz und bot an, zwei Minister zur Vermittlung zwischen Regierung und Militär zu schicken. Die Regionalmacht habe „großes Interesse daran, dass die Situation nicht noch weiter außer Kontrolle gerät“, sagt Grauvogel. Denn sonst müsste Südafrika mit weiteren Flüchtlingen aus dem Nachbarland rechnen. Schon jetzt leben hier weit über eine Million Simbabwer.

Trotz des Putsches blieb es gestern einigermaßen friedlich in Harare. Nur in der Nacht zuvor waren laut Zeugen drei Explosionen und Schüsse im Regierungsviertel zu hören. Das Auswärtige Amt sowie die Botschaften der USA und Großbritanniens mahnten ihre Bürger zur Vorsicht.

Spannend ist nun, wann die versprochene Normalität zurückkehrt, wie sie aussieht – und welche Rolle China spielt, das wirtschaftliche Interessen in Simbabwe verfolgt. Gestern gab es jedenfalls Spekulationen darüber, ob Simbabwes Armeechef Chiwenga sich bei einem Treffen mit Chinas Verteidigungsminister vergangene Woche den Putsch hat absegnen lassen. So oder so: Es wird eng für Mugabe. Die einflussreiche Vereinigung der Kriegsveteranen wendete sich von ihm ab. Hinter ihr steht einer, der sich in Stellung bringt: Mugabes geschasster Vize Mnangagwa.  mit Material von dpa

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