Wer dachte, bei Siemens kehrt nach den Umbauprogrammen der letzten Jahre endlich Ruhe ein, hat sich gewaltig geirrt. Der Konzern ist und bleibt eine Dauerbaustelle. Nach dem noch nicht abgeschlossenen Abbau in der Antriebssparte fallen erneut tausende Stellen in Deutschland weg – diesmal vor allem in der Kraftwerkssparte. Ganze Standorte werden geschlossen. Die Nachricht war gestern – nur wenige Tage nachdem Siemens-Chef Kaeser neue Rekorde bei Umsatz und Gewinn verkündet hat – bitter. Der Vorwurf, die Einschnitte seien allein von Profitgier getrieben, ist allerdings falsch. So ist etwa das Geschäft mit Gasturbinen eingebrochen. Und wird sich voraussichtlich auch nicht mehr erholen. Manche Werke sind nur noch zu 30 bis 40 Prozent ausgelastet. Auf Dauer ist das nicht tragbar.
Sehr wohl tragbar ist es für einen erfolgreichen Konzern wie Siemens aber, für die betroffenen Mitarbeiter Lösungen zu finden. Betriebsbedingte Kündigungen (die bislang per Betriebsvereinbarung ausgeschlossen sind) darf es nicht geben, solange die Gewinne sprudeln. Geht das Management jetzt auf Konfrontationskurs zu den Arbeitnehmern, gefährdet es die Projekte der Zukunft, den groß angelegten Umbau in eine Holding. Jedes Geschäft wird dabei unter die Lupe genommen. Es werden Jobs gestrichen (wie in der Antriebs- und Kraftwerkssparte), Bereiche fusioniert (wie die Windsparte) oder an die Börse gebracht (wie demnächst das Medizingeschäft). Ruhe einkehren wird so schnell nicht.
Manuela Dollinger
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