Die Jusos fordern einen Ausweg

von Redaktion

Suche nach neuer SPD-Bundesvize: Johanna Uekermann schließt Kampfkandidatur gegen Natascha Kohnen aus

München – Es war eine ungewöhnliche Äußerung von Aydan Özoguz. Sie wolle im Dezember nicht mehr als stellvertretende Parteichefin kandidieren, sagte sie, „um Natascha Kohnen dieses Amt zu ermöglichen“. Damit verfügte die Hamburgerin sozusagen selbst über ihre Nachfolge und nahm damit aber nicht nur die Wahl der bayerischen SPD-Chefin vorweg, sie ließ gleichzeitig auch die Chancen der Jusos-Bundesvorsitzenden Johanna Uekermann auf den Posten rapide sinken. Kurz sah es so aus, als hätte Özoguz damit eine Freundschaft in der SPD zerstört.

Zwei Frauen aus Bayern auf den sechs Vize-Posten der Bundespartei – das ist in der Machtverteilung der SPD so gut wie ausgeschlossen. Nun zeichnet sich aber ein Weg ab, die Kampfkandidatur zu verhindern: Ein siebter Vize-Posten soll her. „Damit die Lebensrealität der jüngeren Menschen in der Partei besser abgebildet ist“, sagt Uekermann. Für diesen Posten würde sie zur Verfügung stehen, einen Zweikampf um bestehende Ämter wolle sie nicht. Schon gar nicht gegen Kohnen. „Ich unterstütze Natascha absolut. Sie bringt frischen Wind in die Parteispitze.“

Der Druck geht damit auf die SPD-Führung über, den Jusos eine bessere Position anzubieten. Das wird intern schon lange gefordert, auch Parteichef Martin Schulz mahnte das verstärkte Einbinden an. Faktisch passierte bislang aber wenig. Geht das Kalkül Uekermanns und der Juso-Spitze auf, folgen Taten.

Für die ehrgeizige Jungsozialistin aus Straubing, 30 Jahre alt, seit 16 Jahren bei den Jusos, hängt nach einigen Rückschlägen viel davon ab. Erst wurde sie bei der Listenaufstellung zur Bundestagswahl für ihren Überraschungsangriff auf Listenplatz 4 mit Rang 26 abgestraft und verpasste so ein Mandat, dann schlug sie ein Versöhnungs-Jobangebot von Schulz aus. Uekermann sollte als politische Geschäftsführerin ins Willy-Brandt-Haus – ein Verwaltungsjob. Ihre rhetorischen Fähigkeiten hätte sie dort kaum ausspielen können. Da Uekermann aber als Juso-Chefin nicht mehr kandidiert, droht ihr die Gefahr, künftig ohne Posten auf Bundesebene dazustehen. In den Landtag möchte sie nicht. „Die Themen, für die ich brenne, werden im Bundestag behandelt“, sagt die Bayern-SPD-Vize. „Ich möchte mich daher vor allem bundespolitisch einbringen und nicht in den Landtag, nur um ein Mandat abzugreifen.“

Kohnens Zukunft scheint sicherer. Die Quereinsteigerin aus München ist Wunschkandidatin des Parteivorstands. Als neues Gesicht im Bund würde sie zudem schnell in die Fernseh-Talkshows kommen, womit sie ihre Bekanntheit steigern könnte – das ist wichtig für die Landtagswahl. Wie schnell es in der Politik „in andere Spielhöhen gehen kann“, wie Kohnen es nennt, zeigte sich am Mittwoch: Kohnen verkündete auf Twitter ihre Kandidatur und geriet prompt mit dem parlamentarischen Geschäftsführer der Unions-Bundestagsfraktion ins Gespräch. Vor ein paar Wochen hätte Michael Grosse-Brömer die Landeschefin aus dem fernen Bayern wohl ignoriert.

„Ich will dem Süden Deutschlands in der Partei Gewicht geben“, sagt Kohnen zu ihrer Kandidatur. In Bayern schlummere für die SPD ein enormes Wählerpotenzial, das müsse man nutzen. Sie wird mit ziemlicher Sicherheit die Gelegenheit dazu bekommen. „Schöne Signale“ gebe es im Vorfeld des Parteitags, sagt sie, besonders von vielen Frauen. Auch von Johanna Uekermann. Sebastian Dorn

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