Deutschland nach der Sondierung

Ein Fall für die Basis

von Redaktion

Wenn Deutschland heute aufwacht, wird es noch immer keine neue Regierung haben. Aber zumindest Klarheit, ob das Geschwampel um Jamaika weitergehen soll. In der Tat war es ein ungewöhnliches Spektakel, das die Republik da auf dem Balkon eines Berliner Parlamentsgebäudes bestaunen durfte: Designierte Partner, die verhandeln, weil sie wohl müssen, nicht weil sie wollen.

Manche großmäulige Wortmeldung irritierte zwar bei den bisherigen Verhandlungen. Den meisten der Sondierer ist der gute Wille aber nicht abzusprechen. Das beginnt, um zwei Extreme zu nennen, beim in weiten Teilen konstruktiven und kompromissbereiten Auftreten der Grünen. Und reicht bis hin zur Würde und Disziplin, mit der CSU-Chef Horst Seehofer 18 Stunden am Tag verhandelte, während ihn die eigenen Parteifreunde aus München mit Sperrfeuer überzogen.

Nach dem Ende der schwierigsten Sondierungen in der Geschichte dürfen die Parteigremien und später die Basis über die nächsten Schritte entscheiden. Eine Pflichtübung? Mitnichten. Ein zustimmendes Votum aus der Breite der Parteien einzuholen, für Jamaika ebenso wie für eine ja eigentlich abgewählte Große Koalition, wird der schwierigste Teil jedweder Regierungsbildung. Selbst bis in die brave CDU hinein, deren obere Parteigremien bisher wie Wackeldackel auf der Hutablage alles abnickten, ist die Verunsicherung der Mitglieder mit Händen zu greifen. Sie wollen mitreden, mitentscheiden. Nur zu: Je breiter eine künftige Konstellation legitimiert wäre, desto besser.

Christian Deutschländer

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