Kann ein Putsch gut, kann er sogar nötig sein? Im Falle Simbabwes ist man versucht, das so zu sehen. Seit fast 40 Jahren wird der südafrikanische Staat von einem Mann regiert, der als Held begann, sich zum Despoten wandelte und sein Land (nicht nur) wirtschaftlich an den Rand des Kollaps‘ trieb. Robert Mugabe ist inzwischen 93 Jahre alt, er dachte nicht daran, die Macht abzugeben und wenn, dann nur in die Hände seiner Frau Grace, die gerne zum Shoppen nach Mailand fliegt und Kaviar liebt.
Afrikas jüngere Vergangenheit ist voll von Geschichten, in denen korrupte Herrscher ihr Land ausbluteten – meist verliefen sie ähnlich: Putsch, Machtübernahme, Weiter-wie-vorher. Den Menschen in Simbabwe ist das Beste zu wünschen. Aber es ist wahrscheinlich, dass am Mittwoch wieder nur eine dieser Geschichten begonnen hat.
Vieles deutet darauf hin, dass der Umsturz kein befreiender Akt der Notwehr war, sondern der Machtplan zweier Männer, die sich gut verstehen: des Armeechefs Chiwenga und des geschassten Vize-Präsidenten Mnangawa. Letzterer bringt sich gerade in Stellung. Mit ihm würde ein 93-Jähriger (Mugabe) durch einen 75-Jährigen ersetzt, die Regierungspartei Zanu-PF bliebe an der Macht, die lange erprobten Selbstbedienungsstrukturen intakt. Ein Mugabe fällt, ein neuer steht auf. Das beste an diesem Putsch ist, dass er bisher wohl unblutig verlief.
Marcus Mäckler
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