Harare – Die Männer vor dem Parlament in Harare sitzen entspannt auf ihren gepanzerten Fahrzeugen, einer lehnt sich bequem auf die Ecke des Fahrzeugs, seine Maschinenpistole liegt lässig auf der Karosserie. Würden er und die anderen keine Uniformen und Waffen tragen, käme man kaum auf die Idee, dass hier in Simbabwe gerade der größte Umbruch seit der Unabhängigkeit von Großbritannien stattgefunden hat.
Im Zentrum der Hauptstadt ist es friedlich, die Menschen gehen ihren Geschäften nach. Es scheint, als hätte jemand im Straßenbild schlicht die Polizei gegen mehr Soldaten ausgetauscht. Doch unter der Oberfläche rumort es: Manche Simbabwer haben Angst vor den Veränderungen, viele sind vorsichtig optimistisch, wieder andere gehen vorsichtshalber gar nicht aus dem Haus.
Der Anwalt Anesu Vusani Bangidza, 34, im wohlhabenden Stadtteil Avondale ist Optimist. Er hat in seinem Leben nie einen anderen Präsidenten erlebt als Robert Mugabe. Doch die Zukunft des Landes wird sich wohl ohne den unter Hausarrest gestellten 93-Jährigen entscheiden. „Sobald wir ihn loswerden, können wir mit dem, was er übrig gelassen hat, das Land wieder aufbauen“, sagt Bangidza.
Mugabe hat aus der Kornkammer des südlichen Afrikas ein Armenhaus gemacht. „Der Putsch war eine notwendige Maßnahme“, sagt Bangidzas Freund Tafadzwa, 32, auch Anwalt, der ironischerweise den Nachnamen Mugabe trägt. Sein greiser Namensvetter, der 2018 wieder kandidieren wollte, wäre wohl nie aus eigenen Stücken abgetreten. Für gut ausgebildete Menschen verspricht der bevorstehende Umbruch Chancen.
Im Armenviertel Mbare hingegen, wo die meisten Bewohner arbeitslos sind und sich Großfamilien oft kleine Hütten teilen, herrscht Skepsis. Der Putsch sei falsch gewesen, sagt Inashe Kaisa. „Ich habe Angst, dass es durch Mugabes Sturz einen Bürgerkrieg geben wird“, fügt der arbeitslose 32-Jährige hinzu. Viele andere wollen gar nicht erst über Politik reden.
Im Schweigen üben sich auch die Putsch-Generäle. Bis Donnerstagnachmittag hat sich keiner von ihnen geäußert, nicht mal Generalstabschef Constantino Chiwenga, der der Regierung noch am Tag vor dem Putsch drohte. Es scheint, als wollten die Generäle erst Mugabes Abgang aushandeln – gemeinsam mit Vermittlern aus Südafrika.
Beobachter gehen davon aus, dass das Militär wohl einer Übergangsregierung den Weg bereiten will. Der Gewinner der Rochade ist vermutlich der vergangene Woche von Mugabe geschasste Vizepräsident Emmerson Mnangagwa (75), nach seinem Spitznamen meist nur „Krokodil“ genannt. Die Anführer der zersplitterten Opposition, der erkrankte Morgan Tsvangirai und die frühere Vizepräsidenten Joice Mujuru, scharren mit den Hufen. Sie haben den Putsch nicht offen verurteilt, fordern aber die Bildung einer Übergangsregierung und baldige freie Wahlen. Ob sie bereit sind, sich mit Mnangagwa die Macht zu teilen, ist offen.
Einig sind sich alle scheinbar nur in der Ablehnung der First Lady Grace Mugabe, 52, die ihrem Mann im Amt nachfolgen wollte. Die frühere Sekretärin Mugabes gilt als abgehoben und machthungrig. Bei den Menschen heißt sie wegen ihrer Vorliebe für kostspielige Einkaufsreisen nur „Gucci Grace“.