Wer sich in München unbeliebt machen möchte, hat verschiedene Möglichkeiten. Er kann zum Beispiel zwei Brötchen bestellen oder, das wäre neu, Unterschriften für einen Wolkenkratzer am Marienplatz sammeln. 30 Stockwerke, Premiumlage mit U-Bahnanschluss. Nun ja. Letzteres ist natürlich nicht ernst gemeint. München wird auf absehbare Zeit keine gläserne Skyline bekommen, gut so. Aber die Scheu vor Hochhäusern, also alles ab 22 Metern Fußbodenhöhe, sollten sich Stadt und Region abgewöhnen.
Der Großraum muss jedes Jahr mehr als 20 000 Neubürger unterbringen, mit Nachverdichtung allein wird das nichts. Hochhäuser können ein Teil der Lösung für das Wohnraumproblem sein – sofern die Höhe verträglich ist und die Wohnungen bezahlbar bleiben. Natürlich kann nicht überall ein 13-Stöcker nach oben wachsen, es braucht sorgfältige Auswahl. Vor allem braucht es die Einsicht der Menschen, dass allein das Einfamilienhaus mit Doppelgarage, zumindest in Stadt und Speckgürtel, nicht die Zukunft ist. Vielleicht sollten Stadtplaner die Bürger intensiver in Projekte einbinden. Das wäre besser, als auf die nächste Anti-Hochhaus-Initiative zu warten.
Der Charme einer Stadt und einer Region bemisst sich auch am Mut, Neues zu probieren, ohne das Alte zu vergessen. München sollte mutig sein.
Marcus Mäckler
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