Harare – Simbabwes entmachteter Präsident Robert Mugabe hat sich zwei Tage nach dem Militärputsch erstmals in der Öffentlichkeit gezeigt. Der 93-Jährige nahm an der Abschlussfeier einer Universität in Harare teil. Er ist Kanzler der Zimbabwe Open University.
In der Nacht zum Mittwoch hatte das Militär die Macht übernommen. Das Regierungsgebäude zu umstellen, war wohl der leichtere Teil des Neuanfangs. Schwieriger wird es, die Wirtschaft des Landes wieder anzukurbeln und die Armut zu reduzieren. Mugabe hat Simbabwe herabgewirtschaftet, aus der früheren Kornkammer des südlichen Afrikas mit seiner gut ausgebildeten Bevölkerung ein Land gemacht, das UN-Statistiken zufolge zu den ärmsten Ländern der Welt gehört. Seine desaströse Wirtschaftspolitik gipfelte in der Phase der Hyperinflation. Um ein Stück Butter zu kaufen, brauchten Menschen am Höhepunkt der Krise (2008-09) ein Bündel Banknoten zu jeweils 100 Trillionen Simbabwe-Dollar.
Auch das Gesundheitssystem brach zusammen. Mehr als 3000 Menschen starben innerhalb weniger Monate an den Folgen der schweren Durchfallkrankheit Cholera. Simbabwe musste seine eigene Währung aufgeben.
Beschleunigt hatte Simbabwes Niedergang zudem eine radikale Landreform, bei der Mugabe weiße Farmer ersatzlos enteignen ließ und aus dem Land vertrieb. Die Farmen wurden teils an Mugabes Gefolgsleute verteilt, teils an überforderte schwarze Kleinbauern. In der Folge brach die Agrarproduktion – das Rückgrat der Wirtschaft – dramatisch ein. Die wirtschaftliche Situation ist wohl auch einer der Hauptgründe, wieso das Militär geputscht hat.
Die Bargeldknappheit ist Gift für die Wirtschaft. In vielen Fällen hat sich inzwischen ein dreifaches Preissystem gebildet: Ein neues Bett etwa kann bei Barzahlung 300 US-Dollar kosten, mit Schuldscheinen 400 US-Dollar, bargeldlos vielleicht sogar 500 US-Dollar. Eine neue Landeswährung einzuführen, das wollte die Regierung nicht, denn nach der Hyperinflation vertraute niemand mehr der Zentralbank. Nur die digitale Währung Bitcoin blüht. Nirgends auf der Welt kosten die digitalen Taler so viel wie in Simbabwe – weit mehr als 10 000 US-Dollar. Menschen nutzen Bitcoin, um ihr Erspartes in einer Währung zu parken, die von der Regierung nicht kontrolliert werden kann und ohne Bargeld auskommt.
Mugabes Nachfolger können es fast nur besser machen, hoffen viele Experten. Analyst Charles Laurie sagt: „Nach fast zwei Jahrzehnten wirtschaftlichen Abstiegs gibt es Hoffnung, dass die neue Führung eine rationalere Wirtschaftspolitik betreiben wird.“ Die Generäle werden diese Aufgabe wahrscheinlich bald einer Übergangsregierung mit Mitgliedern der alten Garde überlassen. Kate Bartlett