München/Berlin – In keiner Partei ist am Montag der Katzenjammer so groß wie bei den Grünen. „Ich glaube, dass viele von uns fünf Mal über den eigenen Schatten gesprungen sind“, sagt der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann, bevor sich die Partei am Morgen zum Wundenlecken trifft. Schon am Sonntagmorgen habe die FDP erwogen, nicht weiter zu sondieren, sagt Robert Habeck aus Schleswig-Holstein. Am späten Abend, als man sich einer Einigung näherte, hatte aber niemand mehr mit dem Schritt der FDP gerechnet.
Nun müssen sich die Grünen neu sortieren: Am Wochenende ist Parteitag, der eigentlich einen Koalitionsvertrag hätte absegnen sollen. Stattdessen geht es nun um die Folgen des unerwarteten FDP-Ausstiegs. Man bleibe gesprächsbereit, erklärt Fraktionschef Anton Hofreiter. Ob eine Minderheitsregierung sinnvoll sei, werde man sehen. Derweil rechnet Jürgen Trittin mit Neuwahlen um Ostern. Für diesen Fall kündigt Parteichef Cem Özdemir schon mal an, aus seiner Sicht gebe es keinen Grund für neues Personal.
Ansonsten sind sich die Grünen einig in ihrem Unverständnis über die Liberalen. Gegenüber unserer Zeitung erklärt stellvertretend die bayerische Fraktionschefin Katharina Schulze: „Die FDP wollte die Zukunftsfragen nicht anpacken. Man kann also zusammenfassen: Große FDP-Show und nichts dahinter. Das ist bitter.“ dpa/mik/ser/mfh