Glück warnt CSU vor „aggressiven Tönen“

von Redaktion

Vor der Aussprache am Donnerstag über Seehofers Zukunft: Ramsauer rät zu gelassenem Abwarten in beiden Ämtern – Spiel auf Zeit?

München – Kurz vor der entscheidenden CSU-Sitzung über Sturz oder Stabilisierung Horst Seehofers haben sich die Älteren in der Partei mit einem Mäßigungsappell zu Wort gemeldet. Bei einem Treffen im Landtag mahnten mehrere Ehemalige an, die Personaldebatte in der CSU versöhnlicher zu führen.

„Ich habe noch nie eine Situation erlebt, wo so aggressive Töne die innerparteiliche Diskussion prägen. Das ist ein Alarmzeichen“, sagte der ehemalige Landtagspräsident Alois Glück der BR-Rundschau. Er verlangte, persönliche Interessen zurückzustellen. Die frühere Fraktionsvorsitzende Christa Stewens sprach im BR von einem „Riss, der durch die Bezirks- und Kreisverbände geht“. Es seien „Menschen in der CSU gefragt, die versöhnen können“. Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein warnte seine CSU, eine Debatte wie aktuell „kann man nicht lang ungestraft machen“.

Am Donnerstag will sich Seehofer mittags im Landtag der CSU-Fraktion stellen. Zu erwarten ist eine heftige Aussprache über vier, fünf Stunden, bei der sich zahlreiche Anhänger seines Hauptkonkurrenten Markus Söder zu Wort melden, ebenso die Unterstützer des Ministerpräsidenten. „Das Gelände ist sondiert“, heißt es in der Fraktion. Ein Regierungssprecher sagte, Seehofer plane seine Teilnahme. Ein Kuriosum dabei aber: Seine personellen Vorstellungen will er erst am Donnerstagabend dem Parteivorstand mitteilen, nicht der Fraktion – was viele Abgeordnete erzürnen und das Klima belasten dürfte.

Möglich ist, dass er abends den Rückzug aus einem der Ämter (Parteivorsitz/Ministerpräsident) ankündigt. Oder auf Zeit spielt, um im Dezember zunächst die Aufstellung für Berlin mit möglichen Neuwahlen und erst im Frühjahr für München zu klären – in der Hoffnung, in der Zwischenzeit Söder zum Straucheln zu bringen.

In der CSU gibt es bereits prominente Vertreter, die Seehofer auffordern, nicht eilig hinzuwerfen. „Je mehr es zugeht in den beiden Nachfolgefragen, desto notwendiger muss Seehofer bleiben, bis wieder Ruhe ist“, sagte Ex-Bundesminister Peter Ramsauer unserer Zeitung. Unter Söders Unterstützern heißt es indes, dann drohten Kampfabstimmungen gegen Seehofers Vorschläge auf dem Parteitag Mitte Dezember.

In einer Kabinettssitzung in München trafen Seehofer und Söder am Dienstag aufeinander – was selten passiert. Teilnehmer berichten, Personalfragen seien dort nicht angesprochen worden. Auch Kritik an Seehofers Berliner Verhandlungen unterblieb. cd

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