Simbabwe

Mugabe gibt endlich auf

von Redaktion

von Kate Bartlett und Jürgen Bätz

Harare – Der Jubel markiert den Beginn einer neuen Ära: Nach fast vier Jahrzehnten an der Macht ist Simbabwes Staatschef Robert Mugabe am Dienstag zurückgetreten. In den Straßen der Hauptstadt herrscht scheinbar grenzenlose Freude. „Der Diktator ist weg“, skandieren viele im Zentrum von Harare. „Wir sind einfach so froh“, sagt Sheila Chairs, scheinbar überwältigt. „Ich kann es gar nicht erklären; dieser Mann hat unsere Leben ruiniert“, sagte die 26-Jährige.

Die meisten Menschen in Simbabwe haben nie einen anderen Präsidenten als Robert Mugabe gekannt: Er hielt sich 37 Jahre lang an der Macht, wirtschaftete das Land herunter und regierte mit zunehmend harter Hand. Auch mit 93 Jahren plante er schon für seine nächste Amtszeit, um die er sich nächstes Jahr bewerben wollte. Er klammerte sich an die Macht. Doch der Militärputsch vom vergangenen Mittwoch machte ihm einen Strich durch die Rechnung: Sobald klar war, dass die Armee Mugabes Sicherheitsapparat im Zaum hielt, sagten sich seine Anhänger in Windeseile von ihm los.

Viele der Jubelnden machen am Dienstag Selfies mit den Soldaten, die seit dem Militärputsch im Zentrum von Harare stationiert sind – und nun sogar Kinder auf ihre gepanzerten Fahrzeuge holen um mitzufeiern.

In der Euphorie des Abends blieb zunächst noch unklar, wie es nun in Simbabwe weitergeht. Die Regierungspartei Zanu-PF und die Putschisten wollen wahrscheinlich den vor Kurzem von Mugabe geschassten Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa (75) zum Nachfolger küren. Der unter dem Spitznamen „das Krokodil“ bekannte Mnangagwa gilt als Hardliner und ist seit Jahrzehnten führendes Mitglied der politischen Elite. Seine Beziehung zu Mugabe bezeichnete er noch diesen Monat als eine wie von „Vater und Sohn“. Ob er die Hoffnung für einen kompletten Neuanfang erfüllen kann, ist daher zweifelhaft. Die meisten Menschen hoffen jedoch, dass er nur übergangsweise die Macht halten wird, bis die für 2018 ohnehin geplanten Wahlen abgehalten werden können. Das fordert auch Simbabwes Opposition.

Die Militärführung wollte Mugabe nicht mit Gewalt aus dem Amt drängen: Die Generäle verehren ihn immer noch als Freiheitskämpfer, der dabei geholfen hat, das weiße Minderheitsregime zu überwinden und Simbabwe 1980 in die Unabhängigkeit zu führen. Anzunehmen ist daher, dass Mugabe vor seiner Rücktrittserklärung Garantien des Militärs für seine Sicherheit und die seiner Familie bekommen hat.

Dass es kein Zurück mehr gab, muss Mugabe geahnt haben, als am Samstag Zehntausende Simbabwer seinen Rücktritt forderten. Der Massenprotest ist aber auch ein Signal an die Generäle und Mugabes Nachfolger: Die Menschen sind aufgewacht, sie fordern jetzt ihre Rechte. Gloria Teya, ein 25-jährige Universitätsabsolventin, die bislang arbeitslos war, kann es kaum glauben: „Nachdem ich mein ganzes Leben unter Mugabes schlechter Führung gelebt haben, kann ich jetzt sagen: ich bin frei!“

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