München – Margarete Bause war die Letzte, die es wahrhaben wollte. Auch nicht, als auf der Wahlparty der Grünen klar wurde, dass es die 58-Jährige in den Bundestag schafft. Bause blieb stur, auf der Party und beim Dankesessen danach. Erst daheim, nach Mitternacht, traute sie sich. Sie lächelte, freute sich. „Ich hatte nicht damit gerechnet“, sagt sie. Plötzlich musste Bause eine Wohnung in Berlin organisieren, ein Büro einrichten, Mitarbeiter suchen. Vier Wochen hat sie dafür gebraucht. „Ich hatte mich gefreut, dass es jetzt inhaltlich losgeht.“
Stattdessen könnte ihre Zeit in Berlin nach wenigen Wochen schon vorbei sein. Es drohen Neuwahlen. Elf Grüne aus Bayern haben es nach Berlin geschafft, Bause stand auf Listenplatz neun. „Das politische Geschäft ist immer ein Risiko – ich kann mich schnell umstellen“, sagt sie nüchtern. Auch sei sie schnell wieder im Wahlkampfmodus, wenn es nötig wird.
Während Abgeordnete wie Bause um ihr Mandat bangen müssen, wittern knapp Gescheiterte eine neue Chance. Bernd Fabritius ist so einer. Der Präsident des Bundes der Vertriebenen (BdV) war sich sicher, es über die Liste für die CSU erneut in den Bundestag zu schaffen. Der Plan scheiterte. Natürlich gab es da diesen ernüchternden Wahlabend im heimischen Wohnzimmer, an dem Fabritius mit dem Bundestag abgeschlossen hat. Spricht man ihn nun aber auf Neuwahlen an, klingt der Rechtsanwalt kämpferisch: „Ich möchte mich als Politiker nicht zur Ruhe setzen, habe in meiner ersten Wahlperiode sprichwörtlich Blut geleckt.“
Von seinen Mitarbeitern im Berliner Büro musste er sich schon trennen. „Ich war froh, dass sie geschlossen bei einem anderen Abgeordneten untergekommen sind.“ Jeder Mitarbeiter habe ihm aber zugesagt, sofort zurückzukommen, sollte Fabritius doch noch ein Mandat bekommen. Und wenn es bei einem möglichen zweiten Anlauf nicht klappt? Dann hofft er auf das Amt des Integrationsbeauftragten oder ein Mandat im Europaparlament, um für den BdV weiter Einfluss ausüben zu können. „Man muss immer flexibel bleiben“, sagt der 52-Jährige.
Nicht ganz so flexibel hören sich SPD-Politiker an, die ein Mandat knapp verpasst haben. Gerade unter den Sozialdemokraten ist die Unsicherheit groß. Die Chancen bei Neuwahlen hängen maßgeblich davon ab, ob die SPD mit der gleichen Kampagne und mit gleichem Führungspersonal antritt, heißt es. Die Hoffnung: bitte wechseln.
In der unangenehmsten Situation wäre Frauke Petry. Sie verließ die AfD fünf Tage nach der Wahl, gründete „Die blaue Partei“ – mit Bundestagsmandat im Rücken. Das müsste sie sich mit ihrer neuen kleinen Partei neu erkämpfen. Unwahrscheinlich, dass es gelingt. Ob „Die blaue Partei“ antreten würde, ist offen. „Die Frage stellt sich erst, wenn tatsächlich Neuwahlen anstehen“, heißt es auf Nachfrage aus dem Parteibüro.
Unter dem Titel „Kein Abschied“ hat Katrin Albsteiger auf ihrer Webseite dann doch Abschied genommen. Die 34-Jährige bekommt für die CSU kein erneutes Mandat, hat derzeit aber ganz andere Gedanken. Albsteiger erwartet in Kürze ihr zweites Kind. Der Plan war klar: Pause bis März, dann wieder ab in die freie Wirtschaft. Ihre Chancen bei der Wahl hatte sie auf 50:50 beziffert, das Scheitern war kein Schock. „Ich trauere Dingen auch nicht hinterher – aber wenn man das Büro ausräumt, wird es sehr real. Es geht ja auch um die Mitarbeiter.“ Eine Rückkehr ins politische Geschäft schloss Albsteiger für die Zukunft nicht aus. „Dass die Zukunft schon in einigen Wochen sein könnte, war bis vor Kurzem nicht vorstellbar“, sagt sie jetzt. Ob sie erneut kandidieren würde, weiß Albsteiger noch nicht. „Ich bin in einer speziellen Situation.“ Nach der Geburt ihres Kindes müsste sie schon bald in den Wahlkampf.