Niemand weiß, als was Horst Seehofer mal in die Geschichtsbücher eingehen wird. In den Duden jedenfalls gehörte er – in ungeahnter Kreativität erschafft der sprachmächtige Regent immer neue Worte, wenn er mit seiner CSU streitet: Er erfand „Schmutzeleien“, „Halma-Strategen“ oder „Quatschi-Quatschi“. Hoffentlich findet er – und das ganz ernsthaft – heute die richtigen Worte, wenn er in zwei Gremien auf seine parteiinternen Freunde und vor allem Gegner trifft. An den Sätzen des Parteivorsitzenden wird hängen, ob die CSU in den nächsten Monaten aus dem internen Aggro-Modus zurück zu Geschlossenheit findet. Oder ob es die Partei zerreißt.
Seehofer muss jetzt den Generationswechsel einleiten. Seine Kandidatur als Ministerpräsident 2018 ist ausgeschlossen, seit sich eine kritische Masse in der Partei offen gegen ihn stellte, die ihm keine absolute Mehrheit im Land mehr zutraut. Er hat aber noch Handlungsoptionen: in Berlin noch länger gestalten, oder in München zu Ende verwalten. Das muss er schnell entscheiden, es auch nicht auf Frühjahr 2018 verschieben, um eine Teil-übergabe an womöglich Markus Söder vor sich her zu schieben wie einen lästigen Zahnarzttermin. Mehr noch: An einer Verständigung Seehofer/Söder, wie auch immer, hängt eine Normalisierung des Umgangs in der Partei. Solange beide kein Wort miteinander reden, solange Jugendgruppen mit bemalten Söder-Schildchen eine Debatte prägen, wird die CSU nicht zur Ruhe kommen.
Christian Deutschländer
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