Libanon

Hariri schiebt Rücktritt auf

von Redaktion

Ministerpräsident will Dialog führen – Stabilität der Region in Gefahr

Beirut – In der Libanon-Krise hat Ministerpräsident Saad Hariri überraschend eine Kehrtwende vollzogen und seinen angekündigten Rücktritt aufgeschoben. Damit sei er einer Bitte von Staatschef Michel Aoun nachgekommen, erklärte Hariri in einer Ansprache in der Hauptstadt Beirut. Man könne nun einen ernsthaften Dialog im Land führen. Nach der Ansprache ließ sich Hariri von hunderten Anhängern feiern. „Ich werde bei euch bleiben, damit wir die Stabilität des Libanons verteidigen“, rief er.

Nach Hariris Rücktrittsankündigung waren Sorgen aufgekommen, im Libanon könne ein neuer Stellvertreterkonflikt zwischen dem sunnitischen Königreich Saudi-Arabien und dessen schiitischem Erzrivalen Iran entstehen. Das hätte den gesamten Nahen Osten destabilisieren können. Der Libanon ist ein multi-konfessionelles Land mit einem fragilen Gleichgewicht. Die Macht ist zwischen Sunniten, Schiiten und Christen aufgeteilt. Einflussreichste Kraft ist aber die Hisbollah, gegen die nicht regiert werden kann. Sie gehört seit Ende 2016 einer Einheitsregierung unter Führung Hariris an.

Saudi-Arabien und Hariri beschuldigten die Hisbollah und deren Schutzmacht Iran, in der Region Unruhe zu stiften. Libanons Präsident Aoun wiederum warf Saudi-Arabien vor, Hariri festzuhalten. Die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah erklärte, Hariri sei zum Rücktritt gezwungen worden. Der Ministerpräsident selbst hatte bei seiner Rücktrittserklärung ein Mordkomplott gegen ihn angedeutet. Riad wies die Vorwürfe aber zurück.

Bereits Hariris Vater Rafik, selbst lange Ministerpräsident, war 2006 durch eine Autobombe getötet worden. UN-Ermittler fanden Spuren, die zum syrischen Geheimdienst führten.

Hariri war erst am Dienstagabend seit seiner Rücktrittsankündigung wieder in den Libanon zurückgekehrt. Nach Besuchen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Frankreich, Ägypten und auf Zypern landete er in Beirut. Am Mittwoch zeigte er sich bei einem offiziellen Termin. Der 47-Jährige gehörte zu den Gästen einer Militärparade zum Unabhängigkeitstag des Landes. Jan Kuhlmann

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