Anschlag in Ägypten

Terror als Nachricht

von Redaktion

Der IS, besiegt? So sagte es Irans Präsident Hassan Ruhani vor einigen Tagen, und man konnte den Eindruck gewinnen, er spreche von der Terrormiliz selbst. So ist es leider nicht. Das „Kalifat“ in Syrien und im Irak, das gemeint war, mag am Ende sein, aber Experten rechnen mit einer bitteren Kehrseite: Die weltweit vernetzten Terroristen, die zum Überleben die große Bühne brauchen, wollen Gebietsverluste künftig mit noch mehr Anschlägen kompensieren. Wo sie keine Fahne in den Boden rammen können, sprengen sie Menschen in die Luft. Das ist seit einiger Zeit in Afghanistan zu besichtigen. Der Anschlag in Ägypten mit mehr als 230 Toten, der offenbar auf die Kappe einer IS-nahen Gruppe geht, wäre das jüngste Beispiel dafür.

Natürlich hat die niederträchtige Tat vom Freitag auch eine regionale Komponente: Das Gebiet um die Stadt Arisch im Sinai ist seit 2013 hochumkämpft. Verschiedene Terrorgruppen, die mal dem IS, mal El Kaida nahestehen, töten dort fast wöchentlich Menschen, mit Vorliebe Soldaten. Und Präsident al-Sisi, der das Land eigentlich sicherer machen wollte, bekommt das Problem auch mit seiner hochgerüsteten Armee nicht in den Griff. Das ist schlimm für die Region – und es muss auch uns in Europa eine Warnung sein. Denn solche Anschläge sind Nachrichten. Die Botschaft der Terroristen: Wir sind noch da.

Marcus Mäckler

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