Im süßen Wortgeklingel der Politik klingt das wie eine tolle Nachricht: Die „Trendwende Personal“ greife, teilt das Verteidigungsministerium mit, „Schwerpunkte“ würden erfolgreich „verlagert“. Was für ein Unsinn! Sechs Jahre nach der kurzsichtigen, einer vermeintlichen Modernität geschuldeten Preisgabe von Wehrpflicht und Zivildienst entwickelt sich die Personallage übel. Immer weniger junge Menschen bewerben sich für den freiwilligen Dienst an der Waffe. Von denen brechen immer mehr – gut jeder Vierte – den Dienst vorzeitig ab.
Das mag noch kein Mengenproblem sein. Um die rostenden Ersatzteillager im Inland zu bewachen, genügt das noch. Von Monat zu Monat größer wird aber das Qualitätsproblem. Die Bundeswehr hält nicht mehr mit als attraktiver Arbeitgeber, sie zieht zu wenig Besserqualifizierte an und, so berichten Praktiker verunsichert, zunehmend Alternativlose. Mit denen lässt sich eine moderne, intelligente, in vielen Teilen der Welt eingesetzte Armee aber kaum gestalten. Und mit ihnen lässt sich die Bundeswehr auch nicht mehr wie früher in der Breite der deutschen Gesellschaft verankern.
Das ist fatal in einer weltpolitisch unsicheren Phase, in der Europa sein Militär quantitativ und qualitativ ausbauen muss. Jetzt rächt sich, dass zu Guttenberg-Zeiten ihm und anderen Verantwortlichen der Mumm fehlte, das ungerecht gewordene Musterungssystem zu reformieren – sondern dass sie den gemütlichen Weg gingen, den Pflichtdienst ganz abzublasen. Das Militär (und im ehemaligen Zivi-Bereich der soziale Sektor, ebenfalls immer wichtiger) zahlen dafür jetzt einen hohen Preis.
Christian Deutschländer
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