Ausrichtung der AfD in Bayern

Schweigen und ertragen

von Redaktion

Wenn in der AfD mal wieder jemand Mist gebaut hat, dann heben alle entschuldigend die Hände und verweisen auf die große Unerfahrenheit der jungen Partei. Mit dem Landesparteitag ist das Argument überholt, denn im Hintergrund agiert die AfD beeindruckend professionell – zumindest, wenn es um Seilschaften und Intrigen geht. Das zeigte sich gerade wieder bei den Vorstandswahlen mit vielen verdeckten Attacken und vielen Überraschungskandidaturen. Die waren keine Frucht der Basisdemokratie, sondern das Werk gut vernetzter Strippenzieher.

Etappensieger vom Wochenende ist der nationalkonservative „Flügel“ mit einigen Zugewinnen, der Verlierer die ganze Partei: Die Chance zur Einheit wurde verpasst. Die Vertreter der vielen Strömungen bewiesen, dass sie sich nicht über den Weg trauen können. Das düpiert einerseits die Wahlkämpfer und Plakatkleber, denen es um die Inhalte des Parteiprogramms geht und nicht um persönliche Animositäten; andererseits düpiert es die Wähler, die sich die AfD ja gerade auch deshalb aussuchen, um ein Zeichen gegen das berüchtigte Klüngel-System anderer Parteien zu setzen. So ist die AfD nicht nur eine Protestmöglichkeit gegen die Politik Angela Merkels, sondern vor allem ein Sprungbrett in gut bezahlte Abgeordnetenämter, wenn man sich nur geschickt genug anstellt.

Einige Mitglieder haben das Ränkespiel längst durchschaut. Ihnen bleibt bloß nichts anderes übrig, als zu schweigen und zu ertragen – denn mit Bernd Lucke und Frauke Petry gibt es zwei schillernde Beispiele, wohin Aufbegehren führt: in die politische Bedeutungslosigkeit.

Sebastian Dorn

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